Stierkampf: “Eine Million Unterschriften gegen das Verbot”

Die Spanier in Katalonien wehren sich, viele Katalanan auch, der Rest Spaniens ohnehin. Die Frage ist: Wie kann man Katalonien helfen, seine Corridas weiter zu feiern.

Fakt ist: Nach dem Beschluss zur Abschaffung des Stierkampfes in Katalonien gehen die Anhänger der Corrida zum Angriff über. Man will das Schicksal der Menschen nicht einigen wenigen – und noch dazu nationalistischen – Politikern überlassen.

Die konservative Volkspartei (PP), die den uralten Brauch als nationales Kulturerbe betrachtet, versucht nun mit Unterstützung von Toreros, Züchtern und Veranstaltern, das Verbot auszuhebeln.

Dazu wird sie vermutlich schon in der kommenden Woche im spanischen Parlament einen Gesetzesantrag einreichen. Ziel ist es, den Stierkampf zu einer Staatsangelegenheit zu erklären, über die allein die Zentralregierung in Madrid entscheiden könne.

Die sozialistische Regierung erklärte zwar, eine Duldung des Stierkampfes sei ihr lieber als ein Verbot. Aber ob sie es wagen würde, eine Entscheidung des katalanischen Parlaments aufzuheben, ist fraglich.

Für PP-Chef Mariano Rajoy geht es darum, die Freiheit der Spanier zu schützen. "Wo kämen wir denn sonst hin? Werden künftig auch noch die Jagd, das Angeln oder die Motorradrennen untersagt?", fragte er.

Castellón bietet Hilfe an

Härtere Worte fand der PP-Abgeordnete Jorge Moragas: "Das Stierkampfverbot ist ein kultureller Völkermord."

Die Abgeordneten in Barcelona hatten am Mittwoch mit 68 zu 55 Stimmen beschlossen, den Stierkampf in Spaniens wirtschaftsstärkster Region vom 1. Januar 2012 an abzuschaffen.

Gut eineinhalb Jahre bleiben den Freunden der Corridas also, das Blatt zu wenden. "Die Tierschützer haben 180.000 Unterschriften für ein Verbot gesammelt. Wir könnten eine Million sammeln, um den Fortbestand des Stierkampfes zu erreichen", sagte der Betreiber der wichtigsten Arena in Madrid, José Antonio Martínez Uranga.

Die Stadtverwaltung des nahen Castellón, im Land Valancia gelegen, bot praktische Hilfe an: "Wenn es beim Verbot bleibt, veranstalten wir bei uns die Corridas, die normal in Barcelona stattgefunden hätten."

Eine Million Unterschriften

Die Stierkampf-Lobby hält aber noch weitere Alternativen bereit. Eine davon ist eine Verfassungsklage. Schließlich wird nach ihrer Ansicht ein Teil der Bevölkerung von einer uralten Tradition ausgeschlossen.

Der frühere Verfassungsrichter José Gabaldón meint, eine solche Klage könne durchaus Erfolg haben: "Das Verbot trifft einen tief verwurzelten Brauch und stellt die Gleichheit der Spanier infrage."

Eine andere Möglichkeit kündigte der PP-Fraktionschef im Senat, Pío García Escudero, an. Er will erreichen, dass der Stierkampf von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt wird. Die Regierung müsse schnellstmöglich den entsprechenden Antrag stellen.

Correbous sind viel grausamer, aber Katalanen dürfen Tiere quälen

Für die Stierkampf-Anhänger steht ohnehin fest, dass es bei dem Verbot nur vordergründig um den Tierschutz ging. Vielmehr hätten die auf Eigenständigkeit pochenden Katalanen dem spanischen Zentralstaat eins auswischen wollen. Als Beweis führen sie an, dass die ebenfalls von den Tierschützern kritisierten Stiertreiben in Katalonien weiterbestehen dürfen.

Bei diesen "Correbous" werden die Tiere mit brennenden Hörnern durch die Straßen gejagt oder so lange durch Küstendörfer gehetzt, bis sie in Todesangst von der Hafenmole ins Meer springen, wie etwa in L’Ampolla bei Tarragona an der Costa Dorada.

Nicht selten ziehen sich die Tiere dabei schwere Verletzungen zu oder sterben an Herzstillstand. Solche Spektakel sind vor allem in der Provinz beliebt, wo oftmals die Nationalisten oder Separatisten das Sagen haben – also jene Parteien, deren Stimmen für das Verbot des Stierkampfes ausschlaggebend waren. (SAZ, dpa; Foto: Wikipedia)

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