Spekulationen gehen weiter: Welches Problem hatte der Pilot?

Nicht ein Fehler, sondern eine Kette von Fehlern haben das Unglück in Madrid ausgelöst. Darin sind sich die Experten einig.

Drei Tage nach dem verheerenden Flugzeugunglück wird weiterhin über die Ursachen spekuliert. 

Berichte, wonach das linke Triebwerk kurz nach dem Start in Flammen aufging, konnten letztendlich nicht bestätigt werden. 

Spanische Zeitungen berichteten unter Berufung auf Ermittler, die Videoaufnahmen der spanischen Flughafenbehörde Aena gesichtet haben, dass das Triebwerk des Spanair-Flugzeugs beim Start nicht brannte. 

Das Flugzeug sei abgehoben, dann abgestürzt und habe erst am Boden Feuer gefangen, berichtete die Tageszeitung "El País". Zuvor hatten Augenzeugen gesagt, das linke Triebwerk sei beim Start in Flammen aufgegangen. 

Widersprüchliche Medienerstattung

Der Chef der kanarischen Regionalregierung, Paulino Rivero, sagte nach einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodriguez Zapatero, dieser habe sich das Video des Unglücks angeschaut. Demnach fuhr das Flugzeug mit Vollgas über die Piste, so als habe es nicht abheben können.

Dies stimmte mit der Aussage eines Piloten überein, die in der Zeitung "ABC" zitiert wurde. Die Zeitung "El Mundo" berichtete hingegen, durch eine Explosion des linken Triebwerks sei das Seitenruder der MD-82 beschädigt worden. 

FORUM: Flugzeugunglück in Madrid – Trauer in Spanien

Der Leiter der spanischen Zivilluftfahrtbehörde, Manuel Bautista, sagte "El País", ein defektes Triebwerk allein könne nicht die Unglücksursache sein. 

Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sagte im Bayerischen Rundfunk, beim Unfall eines Verkehrsflugzeugs kämen "im Schnitt sechs bis sieben Ursachen" zusammen. 

Spanair habe einen soliden Ruf. Die Airline habe durch die hohen Treibstoffpreise wirtschaftliche Probleme, "aber nicht mehr, als viele andere Fluggesellschaften auch", sagte Bongardt.

Der Vorsitzende der spanischen Pilotengewerkschaft Sepla und Spanair-Pilot José Maria Vazquez sagte "El País", es sei "ungeheuerlich", den Unfall mit der wirtschaftlichen Lage der Fluglinie in Verbindung zu bringen. Auch Spanair hatte am Donnerstag Vorwürfe der Fahrlässigkeit von sich gewiesen. 

Die Auswertung der Flugschreiber wird wohl noch einen Monat dauern, wie der zuständige Staatsanwalt Emilio Valerio dem Radiosender Cadena Ser sagte.

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