Zum Beispiel Pablo Salgado: Er ist ein junger Spanier, der in Deutschland arbeiten möchte. Der 29 Jahre alte Madrilene ist Industrieingenieur und lebt in der spanischen Hauptstadt, daheim bei seiner Mutter.

Er hatte bis April in einem Architekturbüro gejobbt und ist nach dessen Bankrott arbeitslos. „Ich möchte als Industrieingenieur in einer deutschen Großstadt arbeiten“, sagt Salgado. „Denn in Deutschland gibt es mehr Jobs und höhere Löhne als hier.“

Das neue Interesse an Mitteleuropa haben auch die deutschen Sprachschulen und Kulturinstitute in Spanien bemerkt. „Alle wollen Deutsch lernen“, berichtet Rainer Zorn, Koordinator des Goethe-Instituts in San Sebastián in Nordspanien. „Seit Weihnachten 2010 steigen die Anmeldezahlen und ganz deutlich nach Merkels Madrid-Besuch im Februar.“

In der baskischen Küstenstadt gebe es etwa 25 Prozent mehr Einschreibungen für Deutschkurse. Die Goethe-Institute in Madrid und Granada melden ähnliche Steigerungen.

Auch Pablo Salgado arbeitet daran, seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Seit zwei Jahren besucht er Abendkurse, vor der Sprache hat er großen Respekt. „Ich glaube, dass es fast unmöglich ist, als erwachsener Spanier perfektes Deutsch zu erlernen“, sagt der Ingenieur. Salgado möchte in spätestens in zwei Jahren so weit sein, dass er per Internet die Jobsuche in Deutschland starten kann.

Wie viele Spanier bislang nach Deutschland ausgewandert sind, darüber gibt es wegen der Freizügigkeit der Arbeitnehmer in der EU keine verlässlichen Zahlen.

Walther von Plettenberg, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer für Spanien, sieht bislang keine größere Einwanderungswelle aus Spanien: „Trotz der Medienberichterstattung über den Fachkräftemangel in Deutschland, erwarte ich keine massive Emigration. Bislang haben nur wenige Spanier den Schritt nach Deutschland gewagt – zum einen wegen der Sprachbarriere, zum anderen sind die Spanier sehr heimatverbunden, häufig auch durch Hypotheken belastet.“

Doch die deutschen Sprachschulen sind gut besucht und auch die kürzlich von der Handelskammer organisierten Seminare in Barcelona und Madrid fanden mit rund 300 Teilnehmern großen Anklang. Skeptiker befürchten allerdings, Spanien könnte hoch qualifizierte Arbeitskräfte verlieren, deren Ausbildung das Land viel Geld gekostet hat. Pablo Salgado sieht das anders: „Es bringt dem Land doch nichts, wenn ich arbeitslos zu Hause sitze oder als überqualifizierter Ingenieur einfache Jobs verrichte.“