Spaniens Städte pleite, Real-Boss Pérez streicht Müllabfuhr

Fakt ist: Die Zahlungsprobleme der Gemeinden bringen eine gesamte Wirtschaftsbranche in Gefahr. Denn Müll muss eigentlich immer abtransportiert werden, und die Straßen müssen auch immer gefegt werden. Dies hatten sich die großen spanischen Bau-Konzerne gedacht, als sie – auf der Suche nach neuen Geschäftszweigen – Tochterfirmen für die Müllabfuhr oder die Stadtreinigung gründeten.

Die Branchenriesen wie FCC oder ACS machten ein paar Jahre gute Geschäfte mit dem Nebenerwerb. Aber die Rechnung sollte nicht aufgehen.

Die Wirtschaftskrise hatte nämlich in Spanien zur Folge, dass viele Städte an den Rand des Bankrotts gerieten und die mit der Müllabfuhr oder der Stadtreinigung beauftragten Firmen nicht mehr bezahlen können. Die Stadt Jerez de la Frontera läuft gar Gefahr, dass in der südspanischen Metropole demnächst die Mülltonnen überhaupt nicht mehr geleert und die Straßen nicht mehr gefegt werden.

Das zuständige Unternehmen Urbaser, eine Tochter des Baukonzerns ACS von Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez, droht damit, seine Dienste in der Stadt mit 200 000 Einwohnern einzustellen, wenn es die vereinbarten Gelder nicht erhält.

Der Stadtverwaltung von Jerez wurde zeitweise gar der Strom abgestellt, weil die Behörde seit Monaten die Rechnungen nicht bezahlt hatte. Die andalusische Stadt ist kein Einzelfall, sondern nur die Spitze des Eisbergs.

Viele andere Kommunen wie Alcalá de Henares bei Madrid oder Huelva in Südspanien haben ähnliche Probleme. In Andalusien begleichen die Städte ihre Rechnungen im Durchschnitt erst nach anderthalb Jahren, in der Region von Madrid nach sieben Monaten. (SAZ, dpa; Foto: Flickr)

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