Spaniens leere Strände: Ende des Massentourismus in Sicht?

Wo man früher noch zeitig aufstehen musste, um sich einen Platz an der Sonne zu garantieren, die Menschen wie Ölsardinen eingepfercht in der Hitze brutschelten, herrscht heute gähnende Leere. Gestapelte Strandliegen warten gelangweilt auf einen “Mieter”.

Nicht selten sind Restaurants und Hotels in den Sommermonaten restlos ausgebucht, in diesem Jahr bieten sie Speisen, Getränke und Hotelbetten zu Schleuderpreisen an.

Die Touristen sind nicht mehr die gleichen: Viele Europäer ziehen mittlerweile Strände vor, wo man nicht in Euro, sondern in Dollar bezahlt. Die Spanier selber, die sich nach wie vor ihren Sommerurlaub an der Küste leisten können, haben auf Sparflamme umgestellt.

Man iβt im gemieteten Appartement, bucht “All Inclusive” und trägt seine eigenen Stühle an den Strand. Die spanische Zeitung “El País” fragt sich zurecht: “Ist das Ende des Massentourismus in Sicht?”

Die Experten verneinen dies, die Struktur der spanischen Mittelmeerküste sei solide genug, um einer massiven Krise standzuhalten. Aber die Unternehmer werden langsam nervös. 

Leere Liegen am Strand – "All Inclusive" Angebote boomen

12 Uhr mittags, ein Samstag im August. Die Urlauber tummeln sich in der ersten Reihe am Strand von Benidorm, mit fünf Millionen Besuchern im Jahr die Hauptstadt des europäischen Massentourismus.

Aber hinter den bunten Sonnenschirmen macht man hunderte von leeren Sonnenliegen aus, die in diesem Jahr nur noch vier Euro für einen ganzen Tag Miete kosten. Früher waren sie immer bis zur letzten Liege belegt.

In unmittelbarer Strandnähe tummelt sich eine ganze Horde von Urlaubern im Pool eines 4-Sterne Hotels. Sie trinken Daiquiris für drei Euro, in einer Bar würden sie mindestens doppelt so viel zahlen. Kinder planschen im Abenteuerbecken, Senioren verfolgen auf einem riesigen Bildschirm die Olympischen Spiele in Peking.

Für jeden ist etwas dabei, das Erfolgsrezept des Hotels: “Wir müssen unseren Gästen alles bieten, damit sie hier bleiben und ihr Geld im Hotel ausgeben. Wellness, Animation für Kinder und Erwachsene und ein freies Büffet gehören ebenso dazu wie preiswerte Drinks und attraktive Sparpakete”, erklärt die Marketing-Managerin.

In einigen spanischen Urlaubsorten sind die Umsätze bis zu 30 Prozent zurückgegangen. Vor allem die Costa Blanca, die Costa del Sol und die Costa Dorada klagen unter Urlauberschwund. Und für 2009 ist kein Funken Besserung in Sicht. 

Der günstige Dollar lockt die Touristen

“Der Luxustourismus ist nicht betroffen”, berichtet Tourismus-Experte Iribas. “Aber der Massentourismus, Spaniens Spezialität, zerfällt derzeit”. Man muss sich nicht wundern – Spanien ist in den vergangenen Jahren nicht nur für Einheimische, sondern auch für die Ausländer viel zu teuer geworden.

Attraktive Reiseziele wie die Karibik locken mit Traumstränden und einem günstigen Dollar.

Massiv zugenommen haben die “All Inclusive”-Angebote der Hotels. Das Paradebeispiel ist das Holiday Palace in Benalmádena an der Costa del Sol. Hier gibt es eigene Thematikbecken, 24 Stunden-Büffets, Luxus-Spektakel und den Panoramablick auf das Mittelmeer.

Die Gäste bezahlen im Voraus und können sich direkt in das Vergnügen stürzen. “Auf lange Sicht gesehen ist diese Tendenz schädlich”, sagt Iribas voraus. “Je mehr Hotels sich diesem Trend der “Isolation” anschlieβen, desto langweiliger werden die Urlaubsorte an sich. 

Die Menschen verlieren irgendwann das Interesse, und auch diese Hotels werden eines Tages unter Besuchermangel leiden”. 

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