Spaniens Fluglotsen: 30.000 Euro im Monat – und Null Bock

In einem Hotel am Madrider Flughafen, in dem die Streikführer in der Nacht zum Samstag über ihre Strategie berieten, kam es beinahe zu Handgreiflichkeiten zwischen Lotsen und gestrandeten Passagieren. "Ihr habt uns unsere Ferien versaut", bekamen die Streikenden zu hören. "Ihr solltet alle entlassen werden."

Nun droht den Lotsen eine Welle von Prozessen. Tausende Fluggäste verklagten sie auf Schadenersatz, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Teilnehmer des Streiks, und die Flughafenbehörde AENA leitete 450 Disziplinarverfahren ein.

Spaniens Lotsen gelten als die bestbezahlten, aber ineffektivsten in der EU. Sie verdienen mehr als ihre Kollegen in anderen Ländern, fertigen aber weniger Flugzeuge ab. Ihre Gehälter waren bis vor kurzem auf fast 30.000 Euro im Monat beziffert worden – das ist rund 15 mal so viel wie ein normaler Arzt oder Lehrer in Spanien verdient.

Die üppigen Einkommen gingen darauf zurück, dass die Fluglotsen nur 1.200 Stunden im Jahr Dienst tun mussten und darüber hinaus teuer bezahlte Überstunden leisten konnten.

Um Kosten zu sparen, machte die Regierung sich daran, die Privilegien zurechtzustutzen. Sie erhöhte die vorgeschriebene Dienstzeit auf 1.670 Stunden im Jahr. Wegen des Wegfalls von Überstunden bedeutet dies für die Lotsen Einkommensverluste von etwa 40 Prozent.

Der Konflikt zwischen den Fluglotsen und der Regierung schwelte schon seit Jahren. Immer wieder kam es vor, dass auffällig viele Lotsen wegen "Krankheit" fehlten und Flüge sich verspäteten oder abgesagt werden mussten. Die Fluggesellschaften sprachen von einem "verkappten Streik".

Die Regierung in Madrid verabschiedete am Freitag eine weitere Verschärfung der Dienstzeiten-Regelung und beschloss obendrein, dass die – bisher staatlichen – Großflughäfen in Madrid und Barcelona künftig einem privaten Management unterstellt werden.

Da platzte den Fluglotsen offenbar der Kragen. Mitten in ihrer Schicht verließen sie ihre Plätze in den Kontrolltürmen und erklärten, sie fühlten sich "nicht wohl". Sie traten spontan – und offensichtlich ohne Einschaltung ihrer Gewerkschaft – in den Streik.

Die Regierung reagierte hart: Sie rief erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes den Alarmzustand aus und schaltete das Militär ein. Offiziere zogen in die Kontrolltürme ein und übernahmen dort das Kommando über die zivilen Lotsen.

Nach Darstellung der Gewerkschaft soll auf dem Flughafen von Mallorca ein Beamter der paramilitärischen Guardia Civil (Zivilgarde) die Lotsen mit vorgehaltener Pistole gezwungen haben, ihren Dienst zu verrichten.

Die Arbeit der Streikenden konnte die Armee nicht übernehmen. Dazu fehlen dem Militär die nötigen Fachkräfte. Der zivile Flugverkehr wird in Spanien von 2.200 Lotsen dirigiert, die Armee verfügt nur über 200.(SAZ, dpa; Foto: Wikipedia)

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