Spanien will Roma helfen: Unsichtbare Sündenböcke?

Jetzt hat die EU hat größere Anstrengungen zur Integration der zehn bis zwölf Millionen Roma in der Europäischen Union angemahnt.

Die Situation der größten ethnischen Minderheit in der EU habe sich in den vergangenen Jahren verschlechtert, beklagte EU-Justizkommissarin Viviane Reding beim zweiten Europäischen Roma-Gipfel im südspanischen Córdoba.

Reding wörtlich: „Dies ist inakzeptabel.“ Die EU habe genug gesetzliche Instrumente, um gegen die gesellschaftliche Ausgrenzung vorzugehen. Diese würden aber nicht ausreichend angewandt.

Die Integration müsse vor allem bei der Schul- und der Weiterbildung ansetzen, forderte die spanische Sozialministerin und amtierende EU-Ratsvorsitzende Trinidad Jiménez. Der Anteil von Schulabbrechern sei bei Roma-Kindern besonders groß.

In Spanien, wo diese Volksgruppe rund eine Million Menschen zählt, erreicht nur ein Prozent der Roma die Universität. Oftmals sei soziale Ausgrenzung der Grund für den Schulabbruch, kritisierte Reding. „Roma-Kinder sind häufig in der Gesellschaft unsichtbar, sie gehören aber in die Mitte.“

Nach einem Bericht des Europarates sind die Roma zum Sündenbock der Wirtschaftskrise geworden. „Die Vorurteile ihnen gegenüber sind zudem in vielen Ländern tief verwurzelt“, heißt es darin. Der Vizepräsident des spanischen Roma-Rates, Antonio Vázquez, rief aber auch die Roma selbst auf, bei der Integration Verantwortung zu übernehmen. „Wir stehen vor einer neuen Ära“, meinte er.

An dem zweitägigen Treffen nehmen rund 400 Delegierte aus den verschiedenen EU-Ländern teil. Der Beginn der Konferenz fiel mit dem Internationalen Tag der Roma zusammen, der an den ersten Kongress der Volksgruppe am 8. April 1971 in London erinnert.  (SAZ, dpa)

Foto: Barbato (Flickr)