Kein Fluglärm, keine gestressten Passagiere und keine Warteschlangen an den Abfertigungsschaltern: Der Flughafen von Ciudad Real ist ein Hort der Stille und Beschaulichkeit.

Auf dem Airport 200 Kilometer südlich von Madrid starten pro Tag zwei Linienmaschinen. Dabei hatten die Investoren mit der vor drei Jahren eröffneten Anlage Großes vor.

Ciudad Real sollte eine Alternative zum Großflughafen Madrid-Barajas sein, denn die spanische Hauptstadt ist mit der Bahn nur eine Stunde entfernt. Man hoffte auf zwei Millionen Passagiere im Jahr und erwog zeitweise sogar, den Flughafen Madrid-Süd zu nennen.

Das 500 Millionen Euro teure Projekt erwies sich jedoch als ein gigantischer Reinfall. Der Geisterflughafen in der Mancha ist nur ein Beispiel für eine Reihe von Großvorhaben, die in Spanien während des wirtschaftlichen Booms gestartet worden waren.

Viele Städte und Regionen legten sich neue Gerichtspaläste, Kulturzentren oder Flughäfen zu, die sich in der Krise als „Kathedralen in der Wüste“ erwiesen, weil die Bauwerke zu groß geraten sind oder inzwischen das Geld dafür fehlt.

In Katalonien war den Verantwortlichen vor sechs Jahren aufgefallen, dass Lérida die einzige Provinz in der Region ohne Flughafen war. Rasch wurde Abhilfe geschaffen: Lérida (katalanisch: Lleida) erhielt einen Airport mit einem prachtvollen Empfangsgebäude. In Zeiten des Überflusses war jedoch niemandem aufgefallen, dass Lérida mit der Bahn bestens an Barcelona und Reus angebunden ist.

Die Billiglinien Ryanair und Vueling ließen sich mit Hilfe von Subventionen dazu bewegen, den Airport anzufliegen, sprangen aber mittlerweile wieder ab. Derzeit fliegt nur die Iberia-Tochter AirNostrum zweimal in der Woche von Lérida nach Mallorca.

Noch trostloser sieht es auf dem Flughafen von Castellón an der Mittelmeerküste aus. Die 150 Millionen Euro teure Anlage war im März feierlich eröffnet worden, aber ein Flugzeug ist dort noch nicht gestartet. Dem Projekt fehlt die Zulassung des Verkehrsministeriums.

„Wir Spanier haben uns wie Neureiche aufgeführt“, betont der Verkehrsexperte Germà Bel i Queralt. „Wir haben das Geld nicht nur für Flughäfen aus dem Fenster geworfen, sondern auch für die Bahn. Spanien hat das größte Netz von Hochgeschwindigkeitsstrecken, aber die geringste Zahl an Fahrgästen.“

Madrid hatte vor mehreren Jahren mehrere Stararchitekten damit beauftragt, vor den Toren der Hauptstadt einen „Campus der Justiz“ zu errichten. Dort sollten die bisher über die Stadt verstreuten Gerichte zusammengelegt werden.

Das Vorhaben wurde mit einer Milliarde Euro veranschlagt. Ein Gebäude wurde fertiggestellt, steht aber leer. Das Projekt liegt für unbestimmte Zeit auf Eis, weil in der Staatskasse dafür kein Geld mehr vorhanden ist.

Die Pilgerstadt Santiago de Compostela sollte eine „Stadt der Kultur“ mit Museen, Kunst- und Musikhallen erhalten. Statt der veranschlagten 110 Millionen Euro gab die Region Galicien dafür 400 Millionen Euro aus. Niemand weiß, ob und wann das Projekt fertiggestellt wird.