Spanien feiert ohne Ende: “Adiós Krise, wir sind Weltmeister!”

Fakt ist: Einige brachen völlig überwältigt in Tränen aus, andere streckten die Arme in die Höhe und schrien "campeones, campeones, oé, oé, oé!".

Der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika hat Spanien am Sonntagabend in einen kollektiven Freudentaumel gestürzt.

Von Santander im Norden bis Tarifa im Süden rannten Millionen Menschen mit rotgelben Flaggen auf die Straße, um den historischen Triumph ihrer Nationalmannschaft über die Niederlande (1-0) zu feiern.

"Unglaublich, unglaublich", stammelte eine junge Frau auf der größten Fanmeile des Landes in Madrid, wo 250.000 Menschen die Partie bei brütender Hitze an vier Riesenleinwänden verfolgt hatten.

Neben ihr stimmte eine Gruppe Anhänger einen der beliebtesten Schlachtrufe während dieser WM an: "Yo soy es-pa-ñol, es-pa-ñol, es-pa-ñol" (Ich bin Spanier), gesungen zur Melodie des berühmten russischen Kalinka-Liedes.

Landesweit bildeten sich Autokorsos, fuhren die Menschen hupend durch die Städte und knallten mit Silvesterkrachern. Selbst die Polizei ließ mancherorts vor Freude die Sirenen heulen.

"Ich werde am Montag zur Arbeit gehen, aber schlafen werde ich wohl nicht", meinte in Madrid der 43-jährige Manuel. "Dazu bin ich viel zu aufgeregt."

Die Sorgen über die Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosigkeit waren an diesem Abend verflogen. "«Bei all den schlechten Nachrichten in letzter Zeit haben wir uns diese Freude auch wirklich verdient", ergänzte er.

Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hatte David Villa, Xavi und Co. noch vor dem Finale dafür gedankt, die Stimmung im Lande gehoben zu haben. "Jeder einzelne der Spieler ist uns dafür ans Herz gewachsen", schrieb er in einem Zeitungsartikel.

Die Spieler der "Roja" (Roten) sollen an diesem Montag in der Heimat auch wie Helden gefeiert werden. Nach ihrer Ankunft werden sie zunächst von Zapatero und wohl auch von König Juan Carlos empfangen.

Anschließend fahren sie mit einem offenen Doppeldeckerbus durch die spanische Hauptstadt. Zum Abschluss können ihnen bis zu 150.000 Menschen auf einer Esplanade hinter dem Königspalast zujubeln.

Ginge es nach dem Willen einer großen spanischen Brauerei, würde der 11. Juli sogar zum Nationalfeiertag erklärt. Das Unternehmen startete im Internet eine Werbekampagne, um eine halbe Million Unterschriften für eine entsprechende Petition zu sammeln. Kommen genug zusammen, muss sich das Parlament mit dem Anliegen beschäftigen.  (dpa, SAZ; Foto: Adriano Morán)

BLOG "El Freunde": Fritz Walter, Real Madrid und das spanische Wirtschaftswunder