Spanair verstrickt sich in Widersprüchen: Was steckt dahinter?

Die Fluggesellschaft Spanair widersprach am Samstag den Angaben der spanischen Regierung, sie habe wegen technischer Probleme erwogen, die Unglücksmaschine auszutauschen. 

Diese Absicht sei "zu keinem Zeitpunkt" angedeutet worden, erklärte das Unternehmen. 

Vor einem Untersuchungsausschuss hatte Verkehrsministerin Magdalena Alvarez jedoch gesagt, die Airline habe den Flughafen vor dem Start darüber informiert, dass die Passagiere möglicherweise in eine Ersatzmaschine umsteigen sollten. 

Alvarez erklärte am Freitag vor dem Parlament in Madrid, der Pilot des für 13 Uhr vorgesehenen Fluges habe einen ersten Startversuch auf dem Rollfeld abgebrochen und sei um 13.25 Uhr zum Gate zurückgefahren. Dort hätten Techniker einen "Defekt" an der Maschine repariert. 

Spanair habe dennoch "erwogen", die Maschine vom Typ MD-82 durch ein anderes Flugzeug zu ersetzen. Das Unternehmen habe sich schließlich jedoch dagegen entschieden, sagte die Ministerin. Um 14.23 Uhr habe der Flughafen dann grünes Licht für den Start gegeben, zwei Minuten später stürzte die Maschine beim zweiten Startversuch ab. 

Spanair: "Wir wollten nie das Flugzeug austauschen, da alles in Ordnung war."

Spanair widersprach den Schilderungen der Ministerin. "Zu keinem Zeitpunkt" habe die Fluggesellschaft angedeutet, dass es die Absicht habe, das Flugzeug auszuwechseln, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung. 

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Es habe lediglich die Flughafenverwaltung darüber informiert, dass eine andere Maschine für den Fall, dass sie gebraucht werde, bereitstünde. Da die Reparatur der "Störung" von den Technikern jedoch auf weniger als 15 Minuten geschätzt worden sei, habe keine Notwendigkeit darin bestanden, die Flugzeuge auszutauschen.

Die spanische Flughafenbehörde AENA erklärte hingegen, es besitze eine Aufnahme, auf der ein Spanair-Mitarbeiter die Flughafenverwaltung ausdrücklich über einen möglichen Austausch der Unglücksmaschine informiert. 

Die 154 Opfer sind mittlerweile identifiziert – 2 Menschen schweben noch in Lebensgefahr

Die Spanair-Maschine mit dem Ziel Gran Canaria war am 20. August über die Rollbahn hinausgeschossen und in Flammen aufgegangen. An Bord waren 162 Passagiere und zehn Besatzungsmitglieder. 

Da viele der 154 Todesopfer bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren, konnte die Identifizierung nach Angaben des spanischen Innenministeriums erst in der Nacht zum Samstag abgeschlossen werden. Unter den Toten war auch eine vierköpfige Familie aus dem bayerischen Pullach. 

18 Insassen überlebten das Unglück zum Teil schwer verletzt. 14 von ihnen waren am Samstag noch im Krankenhaus, davon schweben zwei in Lebensgefahr, wie die behandelnden Ärzte mitteilten. 

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