Skandalöses Urteil: Jungnazi bleibt auf freiem Fuß

Das hat nun der Richter in Sant Boi de Llobregat (Barcelona) beschlossen, der ihn zwar eines Verbrechens gegen die Moral bezichtigt, die Tat an sich allerdings nicht als so schwerwiegend beurteilt, um Martín hinter Gittern zu bringen. Stattdessen darf der mehrfach vorbestrafte Jungnazi, der sich mit dem Argument aus der Affäre gezogen hat, zum Tatzeitpunkt betrunken gewesen zu sein, zurück auf die Straβe.

Ganz so leicht wird er es allerdings nicht haben, denn der Richter hat harte Auflagen beschlossen. So muss sich Martín zwei Mal am Tag zwischen 10 und 11 Uhr, bzw. zwischen 18 und 19 Uhr bei der örtlichen Polizei von Santa Coloma de Cervelló melden. Jeweils am 1. und 15. des Monats hat er vor Gericht zu erscheinen, und generell darf er Sant Boi oder Santa Coloma de Cervelló ohne richterliche Genehmigung nicht verlassen. Seinem Opfer, der 16-jährigen Ecuatorianerin, darf er sich bis auf maximal 1.000 Metern nähern.

Der Anwalt der jungen Frau hatte für Martín eine Gefängnisstrafe gefordert, weil Fluchtgefahr bestand, sowie die Möglichkeit eines erneuten rassistischen Übergriffes auf das Opfer. Der Richter sieht allerdings trotz der Tatsache, dass der Skinhead arbeitslos ist, “überhaupt keinen Grund für eine mögliche Flucht”. 

Im Artikel 173 des Strafgesetzbuches ist bei solchen und ähnlichen rassistischen Vorfällen normalerweise eine Gefängnisstrafe zwischen sechs Monaten und zwei Jahren vorgesehen.

“Kein postraumatischer Schockzustand”

Nachdem das Opfer ausgesagt hatte, wurde es auf mögliche Folgeschäden hin untersucht. Bei ihr konnte man keinen postraumatischen Schock infolge des Erlebten feststellen, demnach liegt auch keine psychologische Schädigung vor, die Martín ursprünglich vorgeworfen worden ist. Der Richter nutzte auch diese Tatsache für seine Begründung, den Täter nicht ins Gefängnis einzuweisen.

Nach Bekanntgabe des Urteils versammelten sich Hunderte von Menschen auf der Plaza Sant Jaume in Barcelona unter dem Motto “Wir kämpfen gegen den Rassismus”. Die Demonstration war von 80 Institutionen ausgerufen worden, darunter den Stadtverwaltungen von der Region Barcelona und sämtlichen katalanischen Parteien. 

Die Bilder zeigen den Vorfall, eine Aufnahme der Überwachungskamera im Zugabteil, wo der junge Skinhead „zugeschlagen“ hatte.