Sex und Erotik im Museum: “Shunga” und nackte Männer in London und Paris

Das Museum, eher für seine Archäologie bekannt, zeigt rund 170 Werke, die einen Einblick in die Bedeutung der «Shunga» (Frühlingsbilder) bedeutender japanischer Meister geben sollen – es geht um Sex und Erotik in der Kunst Japans zwischen 1600 und 1900.

Wegen der expliziten Darstellung sexueller Akte wird für Besucher unter 16 Jahren «elterliche Ratgebung» empfohlen. «Wir fragen die Eltern, ob sie wissen, worauf sie sich da einlassen», erläuterte eine Sprecherin. Die Ausstellung «Shunga: Sex und Vergnügen in japanischer Kunst» wird bis zum 5. Januar 2014 gezeigt.

Nach Angaben von Museumschef Neil MacGregor geht es bei dieser «ersten seriösen Ausstellung» zu dem Thema darum, die sich «gegenseitig ausschließenden Kategorien von Kunst und Pornografie» in der westlichen Tradition neu zu bewerten. Die Bilder, Holzschnitte, Radierungen und Schriftrollen von Künstlern wie Kitagawa Utamaro und Katsushika Hokusai zeigen Liebende in zahllosen Positionen, sowie übertrieben dargestellte Genitalien – oft auch mit einer guten Portion Satire und Humor. Fazit der Kuratoren: Im Japan der damaligen Zeit war Sex keine Sünde, sondern wurde von allen Beteiligten genossen und als «lebensbejahend» angesehen.

Auch in Paris sorgt das Thema Erotik, das im Internet auf Seiten wie http://www.vibrator-test.org/ (auf dieser Seite geht es um Vibratoren) allgegenwärtig ist für Schlagzeilen: Selten war im Musée d’Orsay der Andrang von Medienvertretern größer als bei der Pressebesichtigung von «Nackte Männer. Der männlich Akt in der Kunst von 1800 bis heutzutage». Noch nie wurde in Frankreich dem Männerakt eine Ausstellung gewidmet. Die Pionierarbeit dazu hatte das Leopold Museum in Wien geleistet. Dort sorgte die vor wenigen Monaten zu Ende gegangene Werkschau für Kontroversen und für Menschenschlangen an den Museumskassen. Mit viel Spannung wurde deshalb die Werkschau im Musée d’Orsay erwartet. Doch Paris ist weitaus prüder.

«Musée d’Orsay übernimmt Erfolgsausstellung des Leopold Museums» schrieben einige Zeitungen Anfang des Jahres. Doch was Paris bis zum 2. Januar zeigt, ist keine Eins-zu-Eins-Übernahme. Ein Großteil der Werke stammen aus französischen Museen. Von den rund 200 Nackten waren nur wenige in Wien zu sehen. Im Grunde handelt es sich um eine neue Ausstellung. Die Werkschauen seien sehr verschieden, bestätigt Ulrich Pohlmann, Co-Kurator und Direktor der Fotografiesammlung des Stadtmuseums in München. Das Museum hat Paris mehr als 15 Fotografien geliehen, darunter die herrliche Schwarzweiß-Aufnahme eines nackten Männerpaars von Helmut Röttgen.

Der Parcours ist thematisch aufgebaut und beginnt mit dem «Klassischen Ideal», führt über «Nackte Helden» hin zum «Objekt der Begierde». Er stellt klassischen Werken Arbeiten aus dem 20. und 21. Jahrhundert gegenüber und reiht männliche Körper aneinander, die schamhaft verhüllt oder provozierend nackt sind. Dabei wird gezeigt, dass Nacktheit nicht zwingend mit Sex und Erotik gleichzusetzen ist. «Zwischen Aktdarstellung in der Kunst und Nacktheit im herkömmlichen Sinn muss unterschieden werden», erklärt Ko-Kuratorin Ophélie Ferlier, die für die Skulpturenabteilung im Orsay-Museum verantwortlich ist.