Schwerer Atomunfall in Spanien – jetzt entdeckt

Gut 42 Jahre nach einem schweren Unfall mit amerikanischen Atomwaffen sind in Spanien größere Mengen von radioaktiv verseuchtem Erdreich gefunden worden.  

Sie befinden sich in zwei Gruben, die Bedienstete der US-Streitkräfte an der Unglücksstelle nahe des Dorfes Palomares im Südosten Spaniens ausgehoben hatten.

Wie das Greenpeace Magazin und die Nachrichtenagentur dpa berichten, wollen Spanien und die USA das Erdreich nun gemeinsam analysieren und anschließend entseuchen. Das schreibt die Zeitung "El País".

Bei dem Dorf in der Provinz Almería war am 17. Januar 1966 ein B-52-Bomber der US-Luftwaffe mit vier nicht scharf gemachten Atombomben abgestürzt. Die Maschine war beim Auftanken in der Luft mit einem Tankflugzeug zusammengestoßen.

Drei der vier Atombomben an Bord prallten auf die Erde. Sie explodierten nicht, aber zwei Bomben platzten auf und verseuchten 220 Hektar Felder mit radioaktivem Plutonium. Die US-Regierung ließ damals über eine Million Tonnen Erdreich abtragen und in die USA bringen. Eine vierte Bombe war ins Mittelmeer gestürzt. Sie wurde 80 Tage nach dem Unglück geborgen.

Auf dem verseuchten Boden wurde Salat angebaut – und kam in den Handel

Die US-Behörden hatten damals behauptet, alles verseuchte Erdreich abgetragen zu haben. Dies stellte sich jedoch später als unwahr heraus. Vor zwei Jahren kam Washington mit Madrid grundsätzlich überein, verbliebene radioaktive Rückstände gemeinsam zu beseitigen. Damals war aber noch nicht bekannt, um welche Mengen und um welche Art von radioaktivem Material es sich handelte.

Die nun neben dem Dorffriedhof entdeckten Gruben sind 30 Meter lang, 10 Meter breit und 3 Meter tief. Sie waren offenbar nach dem Unglück von den US-Militärs kurz vor deren Abzug ausgehoben worden, um dort radioaktive Materialen zu vergraben.

Dass die Gruben erst jetzt gefunden wurden, führt El País auf die Untätigkeit der Behörden zurück. Da die Gegend bis vor kurzem nur dünn besiedelt gewesen sei, habe sich niemand darum gekümmert. Bis 2004 seien auf den Gruben Salatköpfe angepflanzt worden, die ohne Beanstandungen in den Handel gelangt seien. Erst der Bauboom seit Ende der 90er Jahre habe dazu geführt, dass neue Bodenanalysen vorgenommen worden seien. Bei den Bewohnern von Palomares wurden bislang keine Gesundheitsschäden festgestellt.

(Foto: Wikipedia)