Schlag gegen ETA: Kommando bombte auch in Urlaubsorten

Bei einem groß angelegten Einsatz in der baskischen Provinz Biskaya nahmen Beamte in der Nacht zum Dienstag neun mutmaßliche Mitglieder des gleichnamigen Kommandos fest, darunter den Kopf der Gruppe, wie Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba in Madrid mitteilte. 

"Wir können nicht gewährleisten, dass es das einzige ETA-Kommando ist, aber es ist das aktivste, dynamischste und meistgesuchte" Kommando, fügte Rubalcaba hinzu. Der "Biskaya"-Gruppe werden die meisten Attentate der ETA seit dem Ende der Waffenruhe im Juni 2007 zugeschrieben. 

Anschläge in Urlaubsorten gingen auf das Konto der "Biskaya"-Gruppe

Auch für die jüngsten vier Anschläge auf nordspanische Strände vom Sonntag soll das Kommando verantwortlich sein. Unter den neun Festgenommenen sei auch der "Chef" und "Koordinator" der Gruppe, Arkaitz Goikoetxea Basabe, sagte Rubalcaba weiter. 

Goikoetxea wurde Medienberichten zufolge in einer Wohnung in der baskischen Wirtschaftsmetropole Bilbao festgenommen. Der 28-Jährige soll die "Biskaya" mit dem weiterhin gesuchten ETA-Mitglied Jurdan Martitegi gegründet haben. 

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Mit der Festnahme Goikoetxeas sei die Untergrundorganisation "eines ihrer wichtigsten Instrumente" beraubt worden, sagte der Chefredakteur der Nachrichtenagentur Vasco Press und ETA-Experte, Florencio Dominguez. 

Die "Biskaya" sei für bis zu 90 Prozent der ETA-Anschläge verantwortlich. In den vergangenen zwölf Monaten soll die Gruppe fünf Autobombenanschläge verübt haben, darunter ein Attentat auf die Polizeikaserne in Legutiano im Mai, bei dem ein Polizist getötet wurde. 

Zuletzt waren am Sonntag vier Sprengsätze an der Küste der nordspanischen Region Kantabrien explodiert, die der ETA zugeschrieben werden. 

Vor zwei Monaten: Festnahme der Nummer in Frankreich

Die Zerschlagung des "Biskaya"-Kommandos ist der zweite wichtige Schlag gegen die ETA in diesem Jahr. Erst vor zwei Monaten hatten französische und spanische Polizisten mit Javier López Peña alias "Thierry" die mutmaßliche Nummer eins der Untergrundorganisation gefasst. 

Er soll die ETA seit zwei Jahren geleitet haben und unter anderem für den Anschlag auf den Flughafen von Madrid im Dezember 2006 verantwortlich sein.

Die militante Untergrundorganisation kämpft seit fast 40 Jahren gewaltsam für die Unabhängigkeit des im Norden Spaniens gelegenen Baskenlandes. Dabei wurden mehr als 820 Menschen getötet. 

Die EU und die USA betrachten die ETA als Terrororganisation. Im Juni 2007 kündigte die ETA eine gut ein Jahr zuvor vereinbarte Waffenruhe auf. 

Nach seiner Wiederwahl im Frühjahr nannte Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero den Kampf gegen die ETA als einen der Schwerpunkte seiner zweiten Amtszeit. Während der ersten Legislaturperiode des Sozialisten waren Friedensgespräche mit der ETA gescheitert. 

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