Sami Khedira holt Decima mit Real Madrid! “Grottenschlecht gespielt, aber legendär!

Die Zeitung „Marca“ wählte Khedira zum schlechtesten Akteur Reals auf dem Platz. Kommentar: „Khedira ist als Mittelfeldorganisator einfach überfordert, er kann das nicht. Er hat weder schnelle Füße, noch einen schnellen Geist, seine erste Halbzeit war ein Fiasko, ein fortwährender Kurzschluss im Spiel Reals.“

Khedira erklärte später im Siegestaumel: «Es ist immer ein Problem, dass wir sofort wieder auf neue Ziele schauen. Man sollte auch mal den Moment genießen», sagte der 27-Jährige nach dem Gewinn der Champions League mit Real Madrid. Gerade einmal sechs Monate nach seinem Kreuzbandriss hatte Khedira am Samstagabend im Estádio da Luz von Lissabon für viele überraschend in der Startformation gestanden. Zwar enthielt sein Endspiel-Auftritt über knapp eine Stunde Licht und Schatten, dennoch hatte der Ex-Stuttgarter seinen Anteil am hartumkämpften 4:1 (1:1, 0:1)-Erfolg nach Verlängerung gegen den Stadtrivalen Atlético Madrid.

«Es ist nicht selbstverständlich, dass ich heute auf dem Platz stehen durfte», sagte Khedira, der bei den spontanen Feierlichkeiten unmittelbar nach der langersehnten «La Décima» fast ein wenig abwesend wirkte. Als sich spätestens nach dem 2:1 durch den Waliser Gareth Bale in der 110. Minute der zehnte Titelgewinn von Real in der Königsklasse abzeichnete, lief vor Khediras innerem Auge noch einmal der Film der vergangenen sechs Monate ab.

Die unglückliche Verletzung im Test gegen Italien Mitte November 2013, die schmerzhafte Diagnose Kreuzbandriss, die Angst um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft und vor allem die unzähligen Stunden harter Schufterei in der Reha – all das kam in diesen Minuten in Khedira wieder hoch. «Von daher ist das ein unglaubliches Gefühl und erfüllt einen sehr mit Stolz», meinte der Ex-Stuttgarter, als er gut zwei Stunden nach Spielschluss im dunklen Jackett über dem weißen T-Shirt mit der blauen Aufschrift «La Décima» zum Mannschaftsbus schlenderte. «Innen drin ist eine riesengroße Freude.»

Im Mannschaftsquartier der deutschen Nationalmannschaft in Südtirol verfolgten Joachim Löw und sein Betreuerstab gemeinsam mit den Spielern den europäischen Fußball-Gipfel. «Wir haben natürlich mitgefiebert mit Sami und sind sehr froh darüber, dass er dann auch noch die Champions League gewonnen hat», sagte Oliver Bierhoff.

Der Nationalmannschaftsmanager war wie Löw erfreut darüber, dass es nach all den Hiobsbotschaften der ersten Vorbereitungswoche endlich einmal positive Nachrichten von einem ihrer Spieler gab. Die deutsche Führungsriege verfolgte mit Erleichterung, dass Khedira von Real-Coach Carlo Ancelotti trotz zuvor nur zwei Kurzeinsätzen von Beginn an aufgestellt wurde, «insofern wird er sicher mit breiter Brust hier ankommen und herzlich von uns empfangen werden», sagte Bierhoff.

Dass sie auf ihn fast wie einen Heilsbringer warten behagt Khedira indes nicht. «Jetzt haben wir erst einmal ein, zwei Tage zum Feiern und dann beginnt am Montag oder Dienstag die neue Arbeit», sagte der im defensiven Mittelfeld nach den vielen Fragezeichen hinter Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm und dem WM-Aus von Lars Bender so dringend benötigte Khedira. Doch auch wenn in Lissabon noch nicht alles rund lief, glaubt der große Hoffnungsträger bis zur WM voll da zu sein. «Vor der WM haben wir ja noch zwei, drei Spiele», sagte Khedira, «die werden mir auch reichen». Joachim Löw wird es erfreut zur Kenntnis nehmen.