Sächsische Universitätsstädte beliebt bei ausländischen Studenten

Von Dresden, Leipzig und Berlin abgesehen ist der Osten zwar nach wie vor weniger beliebt als der Westen, doch die Zulassungszahlen belegen, dass in Zukunft mit einem höheren Bewerberandrang zu rechnen ist. Gut 20.000 Studienanfänger nahmen zum Wintersemester 2013/2014 ein Studium an den sächsischen Hochschulen auf. Wegen des doppelten Abiturjahrgangs war die Nachfrage nach einem Studienplatz in diesem Jahr bundesweit bemerkenswert hoch. Zudem locken die 15 Universitäten und Fachhochschulen im Freistaat seit ein paar Jahren eine wachsende Zahl von ausländischen Studierenden an. Laut Landesamt für Statistik konnte von 2005 bis 2012 ein Anstieg von 9.500 auf 12.300 verzeichnet werden. Insgesamt hat sich die Zahl der Studierenden im Freistaat parallel dazu von 107.000 Studenten auf 113.000 erhöht. Sachsens Bemühungen darum, die Studiensituation für ausländische Studenten zu verbessern, scheinen demnach erste Früchte zu tragen. So wurden diesen beispielsweise mehr Möglichkeiten für einen Nebenjob geboten, und auch nach dem Studium wurde ihnen mehr Zeit für die Jobsuche gewährt.

Mehr spanischer Flair in Sachsen

An der TU Dresden haben sich 8.948 Studenten ins erste Fachsemester eingeschrieben, der Anteil ausländischer Studienanfänger liegt mit 1.385 Erstsemestern bei fast 15,5 Prozent. An der zweitältesten deutschen Universiät in Leipzig treten 6.701 Studierende ihr erstes Semester an, mit 655 beträgt der Anteil ausländischer Studierender dabei 9,8 Prozent. 2.525 Studienanfänger gehen zum Wintersemester an die TU Chemnitz, die Zahl der ausländischen Bewerber ist laut eigenen Angaben in diesem Jahr um rund 39 Prozent gestiegen. Auch auf den anderen Hochschulen wie der TU Bergakademie Freiberg, der Westsächsischen Hochschule Zwickau und der Hochschule Mittweida in Mittelsachsen zeichnet sich ein neuer Rekord bei den Einschreibungen ausländischer Studierender in diesem Jahr ab. Die Mehrheit der ausländischen Neuimmatrikulierten kommt dabei aus China, Indien, Tschechien und Brasilien.

Auch immer mehr Spanier zieht es zum Studieren nach Sachsen. Für die meisten von ihnen bedeutet ein Studium oder eine Ausbildung einen Ausweg aus der grassierenden Jugendarbeitslosigkeit, die in Spanien zu einem akuten Problem geworden ist. Verschiedene Förderprojekte wie das EU-Programm „Leonardo“ tragen dazu bei, dass die Attraktivtität von Sachsen als Studien- und Ausbildungsstandort steigt. Das Förderprogramm macht es möglich, dass interessierte Auszubildende, Studenten und auch junge Arbeitnehmer in die jeweiligen Teilnehmer-Länder reisen können, um dort im Zuge ihrer Ausbildung oder ihres Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln. Zuletzt erhielten fünf Spanier die Chance, bei einem zehnwöchigen Aufenthalt (28. August bis 30. Oktober 2013) ihr Praxissemester in Chemnitz zu absolvieren. Sie wurden dabei durch die Bildungs-Werkstatt Chemnitz gGmbH an die Unternehmen vermittelt. Während ihrer Ausbildung im Bereich Werkzeugmaschinen sollen die fünf Praktikanten aus dem spanischen Baskenland die Gelegenheit haben, deutsche Unternehmen, Sprache und Kultur kennen zu lernen. In ihrem Heimatland studieren sie in verschiedenen Bereichen Ingenieurwissenschaften. Solche und andere Förderprogramme, wie etwa Spanische Azubis 2014 von The Job of My Life, können die Beliebtheit von Sachsen bei Studier- und Ausbildungswilligen aus dem europäischen Ausland weiter anheben.

Mehr Studenten, mehr Notstand auf dem Wohnungsmarkt

So sehr der hohe Zulauf an neuen Studenten im Freistaat auch freut, ein Problem bleibt bestehen: in Sachsen herrscht wie in allen anderen Bundesländern auch ein eklatanter Wohnungsmangel. Besonders in großen und angesagten Städten zählen Studenten zu den vom Wohnungsnotstand am meisten betroffenen Gruppen. Leipzig und Dresden sind das teuerste Pflaster in Sachsen; in Leipzig muss man 12 Euro pro Quadratmeter zahlen, in Dresden sind es 11,80 Euro. Doch es gibt auch Entwarnung: Aus einer Analyse von noknok, in deren Rahmen die Preise für WG-Zimmer miteinander verglichen wurden, gehen Leipzig (219 Euro) und Chemnitz (197 Euro) als die mit Abstand erschwinglichsten Studentenstädte hervor. Wer auf Wohnungssuche ist, kann zum Beispiel auf Wohnungsportalen für den Raum Chemnitz fündig werden. Marburg (235 Euro), Duisburg (229 Euro) und Magdeburg (220 Euro) reihen sich danach in die Liste der preiswerten Wohnorte für Studenten ein. München ist mit durchschnittlich 493 Euro für ein WG-Zimmer der absolute Kostenspitzenreiter.