Demnach hat Real gerade einen Kredit über 30 Millionen Euro bei der Bank La Caixa aufgenommen, um dringend fällige Rechnungen zu bezahlen. Weitere 60 Millionen sollen so schnell wie möglich beschafft werden.

Wie El Mundo schreibt, hatte der Verein seit fünf Jahren rund 110 Millionen Euro flüssiges Geld in der Kriegskasse, um spontane Spielerkäufe zu tätigen, zum Beispiel. Exakt dies bestätigte auch der neue Präsident Ramón Calderón, als er vor knapp zwei Jahren sein Amt übernahm. Die Frage, die sich stellt, lautet: Wo ist das ganze Geld?

Real Madrid hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Gewinn von 43 Millionen Euro gemacht, die Prognosen für dieses Jahr lassen laut den Finanzexperten des Vereins sogar noch mehr erwarten. Trotzdem wurden den einzelnen Abteilungen des Vereins bereits die Etats drastisch gekürzt, schreibt El Mundo. Ein Verantwortlicher Reals wird mit den Worten zitiert: "Wir können auch so weitermachen wie bisher, aber langfristig wird das Finanzloch unausweichlich kommen."

BILDERGALERIE: Real Madrid mit Ronaldo, Beckham und Zidane

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Vorschuss aus TV-Milliarde scheinbar auch schon verpulvert

Wie ist diese "delikate finanzielle Situation" entstanden? Da sind einmal die Verdienstausfälle aus der Champions League. 21 Millionen nahm der Verein in der laufenden Champions League ein, 40 wären es bei einem Sieg gewesen. Der Verein hatte mindestens das Erreichen des Viertelfinales einkalkuliert, auch schon im vergangenen Jahr. Die Mannschaft schied aber vorher aus. Auch im spanischen Pokal kam das frühe Aus. Aber macht das den Braten bei Real wirklich fett?

Der Verein hat immerhin seine Fernsehrechte ab 2010 für gut eine Milliarde Euro an das Medienunternehmen Mediapro verkauft, das hinter dem Fernsehsender La Sexta und der Tageszeitung "Publico" steht. 84 Millionen wurden bereits überwiesen. Auch dieses Geld soll laut El Mundo bereits verpulvert worden sein. Angeblich hat Real Mediapro um einen neuen – dringenden – Vorschuss angegangen.

Die Goldenen Zeiten mit Zidane, Ronaldo, Figo und Beckham sind vorbei – wer kennt Arjen Robben?

Fakt ist, dass Real Madrid in den vergangenen zwei Jahren 220 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben hat, die Abfindungen für vorzeitig Entlassene wie Trainer Capello (sechs Millionen) nicht eingerechnet. Welcher der Spieler aber hat wirklich eingeschlagen? Wie viele Jugendliche tragen das Trikot von Arjen Robben oder Pepe, beide vor der Saison für viele Millionen nach Madrid geholt?

Vielleicht war also die Strategie des vorigen Präsidenten Florentino Pérez gar nicht so schlecht, für "galaktische" Spieler zwar galaktische Unsummen an Geld auszugeben, aber auch galaktisch viel einzunehmen? Zu Zeiten von Ronaldo, Figo, Zidane und Beckham sah man an manchen Tagen in Spanien nur noch "Real-Kicker" durch die Straßen laufen. Man erinnere sich: Als David Beckham 2002 zu Real Madrid wechselte, waren nach nur zwei Monaten allein in Spanien 200.000 Trikots mit seinem Namen verkauft, das Stück zu 80 Euro. Diese Zeiten sind für Real vorbei, gefragt sind Ronaldinho, Messi und Kaká, den Calderón vor seiner Wahl versprochen hatte, aber nicht verpflichten konnte.

Champions-League-Finale 2010 in Madrid – ein Sieg muss also her

Die Situation für Real Madrid und seinen Präsidenten Calderón sind also nicht rosig. Denn die Mannschaft ist trotz der jüngsten Investitionen bei weitem nicht europäische Spitzenklasse, Trainer Bernd Schuster hat bereits neue Verstärkungen angefordert. Die Zeit eilt. Denn 2010 wird das Finale der Champions League im Bernabeu-Stadion in Madrid ausgetragen. Undenkbar, wenn dort Barcelona gegen Milan (mit Kaká) spielen würde – und nicht Madrid.

Zumal, so El Mundo, gleich danach neue Präsidentschaftswahlen anstehen. Wer Spanien kennt, weiß: Gewinnt der Präsident vor eigenem Publikum den Europapokal, ist er so gut wie neu gewählt. Der Anreiz ist also groß, weiter galaktisch viel Geld auszugeben. Die Frage ist nur, wofür …

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