Real Madrid: Cristiano Ronaldo rettet die Möbel, Juventus Turin jubelt – aber worüber? “Grottenschlecht und peinlich”

Und wären die Italiener, die am Ende über ihren kärglichen Sieg auch noch jubelten, nur ein wenig stärker, als sie gegen Real tatsächlich wirkten, hätte es für Madrid ein Debakel geben können.

Marcelo und Dani Carvajal waren in der Abwehr Totalausfälle, der üblicherweise hoch gelobte Raphael Varane leistete sich erneut altbekannte Schnitzer, die seine wohlwollenden Kritiker in der Regel allzu oft übersehen. Fakt ist: Während er in den vergangenen Spielen in der Tat auf dem Weg der Besserung schien, fiel er in Turin in alte Schlampereien zurück.

Sergio Ramos: Peinliche Fehlpässe in Serie

Im Mittelfeld aber war Real keinesfalls besser. Sergio Ramos trat mit einer unterirdischen Leistung den Beweis an, dass es eben keinesfalls egal ist, ob ein Spieler Innenverteidiger oder Spielmacher ist. Und Ramos ist defintiv kein Spielgestalter. Selten bis nie sah man so viele Fehlpässe eines Real-Spielers in Serie wie am Dienstag von Sergio Ramos in Turin. Immerhin zeigte er ein wenig Selbstkritik: “Das war heute wohl nicht mein bester Tag…” Weniger einsichtig zeigte sich sein Trainer Carlo Ancelotti, der erklärte: “Heute waren wir alle schlecht, nicht nur Sergio Ramos.” Zu befürchten ist, dass er auch im Rückspiel am kommenden Mittwoch Ramos wieder ins Mittelfeld stellen wird. Denn mit einer Rückkehr von Luka Modric ist nicht zu rechnen.

Bale schoss den Vogel ab

Den Vogel im desaströsen Bild, das Real Madrid gegen Juve abgab, bot aber Gareth Bale. Der Stürmer, der angeblich 101 Millionen Euro gekostet haben soll, beteiligte sich so gut wie nie am Spiel, wäre besser draußen geblieben. Dass ihn Ancelotti nicht schon nach fünf Minuten vom Feld holte, gehört zu den unerklärlichen Vorfällen dieses Abends. Am Ende durfte der Waliser 86 Minuten spielen – eine Frechheit gegenüber den Kollegen, die auf der Bank sitzen mussten.

Stattdessen holte Ancelotti den immerhin bemühten Isco vom Feld, für ihn kam Chicharito – der auf Anhieb zum besten Akteur Reals avancierte. Wie so oft rettete wieder einmal Cristiano Ronaldo die königlichen Möbel. Mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 1-1 hielt er Real die Tür ins Finale von Berlin offen. Dafür allerdings müsste sich Real schon sehr steigern. Sonst könnte nicht einmal das biedere Juventus verhindern, dass für Real wieder einmal im Halbfinale Schluss ist. Die Statistik spricht jedenfalls für die Italiener: Noch nie schieden sie in Europa aus, nachdem sie ein Hinspiel mit 2-1 gewonnen hatten. Und Real konnte noch nie in einem Halbfinale weiterkommen, wenn das Hinspiel verloren wurde.

James: “Jetzt muss das Bernabeu brennen …”

Die Analyse des Trainers fiel nüchtern aus: “Wir wollten die Ballkontrolle haben, aber wir hatten Pech. Wir hatten das 2-1 auf dem Fuß und haben in einem Konter das 1-2 kassiert. Wir sind nicht zufrieden damit, aber sind zuversichtlich, dass wir das Ergebnis aufholen können. Wir haben ein wenig die Geduld verloren, haben nicht gut angefangen und gleich ein Tor kassiert. Danach sind wir aber gut ins Spiel gekommen. Wenn wir so weiter gemacht hätten, wäre alles anders gelaufen. Aber das haben wir nicht getan.”

James, der beste bei Real, sagte: “Jetzt muss das Bernabeu-Stadion brennen. Und wir müssen von der ersten Minute an versuchen, Juve zu töten.” Mit einem Kopfball hatte der Kolumbianer frei vorm Tor nur die Latte getroffen. Das müsste er im Rückspiel ebenfalls noch verbessern…