Polemik um neues Abtreibungsrecht: Vatikan will “Gespräche”

Noch im ersten Halbjahr des kommenden Jahres will Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero einen neuen Gesetzesentwurf dem Parlament vorlegen, der mithilfe einer Kommission aus Anwälten, Ärzten, Experten und der spanischen Ministerin für Gleichstellung, Bibiana Aido, entwickelt wird.

Bisher darf eine Schwangerschaft in Spanien bis zur 12. Woche abgebrochen werden, sofern ihr eine Vergewaltigung vorausgegangen ist, beziehungsweise die werdende Mutter mögliche körperliche oder psychische Schäden nehmen könnte. 

Sofern eine Missbildung des Fötus vorliegt, darf bis zur 22. Schwangerschaftswoche abgetrieben werden. Das gröβte “Schlupfloch” des aktuellen Gesetzes – zumindest nach Ansicht der katholischen Kirche und diverser Abtreibungsgegner – findet man jedoch im Passus, der vorgibt, eine Schwangerschaft dürfe “jederzeit abgebrochen werden”, sofern das Leben der Mutter in Gefahr ist. Besagter Passus ist für die meisten Abtreibungen in Spanien verantwortlich. 

Die kahtolische Kirche zeigt sich "betrübt"

Auf die angestrebte Lockerung des Abtreibungsrechtes hat die katholische Kirche denkbar empfindlich reagiert. 

Der Vatikan hat sich bereits angemeldet, um mit der spanischen Regierung “Gespräche zu führen”. 

Kardinal William Levada etwa zeigte sich “betrübt” über die Reformankündigungen: “Die Abtreibung ist keine politische Frage, sondern ein religiöses und kulturelles Thema, das die Wurzeln der Menschheit berührt”, erklärte er am Samstag in Santiago de Compostela. 

Rajoy: Zapatero soll nicht von den wirklichen Problemen Spaniens ablenken

Bevor das aktuelle Gesetz gelockert wird, sollte sich die Regierung mit der katholischen Kirche zusammensetzen und über die möglichen Folgen diskutieren, so Levada. 

Die konservative Volkspartei unterstützt die Kirche in dieser Frage. Oppositionschef Mariano Rajoy warf Zapatero vor, er solle mit derartigen Reformvorschlägen nicht von den “eigentlichen Problemen Spaniens” ablenken, und sich lieber um die Wirtschaftskrise kümmern.