In einer Pressemitteilung Real Madrids wurden Gewinne angekündigt, die, so Reals Finanzdirektor José Àngel Sánchez, Madrid zur "Nummer eins in der Welt" machen, zumindest in Sachen Einnahmen. So wurde der zu erwartende Gewinn für die Saison 2007/08 laut der Real-nahen Sportzeitung "Marca" auf 100 Millionen Euro geschätzt.

Allerdings: Dem Bericht in El Mundo über die aktuelle Zahlungsknappheit und einen Kredit in Höhe von 30 Millionen Euro wurde nicht widersprochen.

NEWS: Real Madrid pleite? El Mundo enthüllt Kredit über 30 Millionen Euro

Aber auch die konservative Zeitung aus Madrid schießt weiter scharf. In einem weiteren Bericht am Donnerstag werden die Bilanzierungspraktiken bei Real aufs Korn genommen. Wörtlich heißt es: "Wer die vom Club präsentierten Zahlen betrachtet, könnte meinen, Real sei der reichste Verein der Welt und würde das auch in Zukunft bleiben." In Wahrheit sei das Finanzgebahren Reals "gefährlich, sogar sehr gefährlich". Diese Einschätzung werde von einigen Verantwortlichen im Verein geteilt. Namen wurden allerdings nicht genannt.

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Laut El Mundo machte Real nicht 44 Millionen Euro Gewinn, sondern 50 Millionen Verlust

Hintergrund: Unter dem früheren Präsidenten Florentino Pérez war es laut El Mundo üblich, beispielsweise Transfersummen für Spieler voll und ganz in den Bilanzen des Vereins aufzuführen. Innerhalb eines Jahres sollte sich eine Transaktion rein rechnerisch amortisiert haben, sonst wurde sie als Verlust bilanziert.

Dies habe der aktuelle Präsident Ramón Calderón geändert. Transfersummen würden nun mit der Vertragslaufzeit eines Spielers verrechnet, so dass im Jahr der Transaktion nur ein Bruchteil der gezahlten Summe in den Bilanzen auftauche. Dafür aber in den kommenden Jahren immer wieder – bei einem Vierjahresvertrag vier Jahre lang. Akkumuliert kämen so jedes Jahr zu den Ausgaben für neue Spieler die Ausgaben für die alten hinzu – eine Art Schneeballeffekt.

100 Millionen Euro Verlust pro Saison – auf Dauer?

El Mundo sagt: Nach der alten Art der Buchführung hätte Real im vergangenen Jahr jedenfalls nicht 44 Millionen Euro Gewinn gemacht, sondern 50 Millionen Euro Verlust. Und in diesem Jahr hätte man nicht bislang 42 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet, sondern Miese in Höhe von 60 Millionen. Ein Verantwortlicher des Vereins wird zitiert: "Wenn das so weiter geht, werden wir in zwei, drei Jahren in jeder Saison 100 Millionen Euro Verlust anhäufen."

Das Ungewöhnliche dabei: Während Marca unerschütterlich zu Real Madrid hält, lässt sich El Mundo in seiner kritischen Berichterstattung nicht beirren. Beide Blätter gehören aber zum gleichen Verlag und nutzen normalerweise Synergieeffekte. Am Donnerstag wurde der Bericht der El Mundo nur kurz in Marca erwähnt.

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