Pablo Picasso: Das Universalgenie auf einen Blick! “So viel zu sagen – und immer weniger Zeit”

Ein Harlekin, der eine junge Ballerina an der Hand hält, ein junger Mann mit einer Trommel auf der Schulter, ein verkleideter Junge und eine Frau mit einem mallorquinischen Strohhut auf dem Kopf – rings versammelt um die voluminöse, rot gekleidete Gestalt eines Hofnarren mit den Gesichtszügen von Tio Pepe, einem spanischen Clown aus dem Zirkus Medrano: Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet dieses Bild namens „Les Bateleurs“ aus dem Jahre 1905 aus der so genannten Rosa Periode zu Pablo Picassos erstem kommerziellen Erfolg werden sollte – bei einer Versteigerung im März 1914 in Paris, die ihm für den Rest seines Lebens den Ruf eintrug, alles, was er in die Hand nahm, zu Gold zu machen …

Dem Universalgenie Pablo Picasso (1881-1973) in einem einzigen, schmalen und erschwinglichen Band auf die Spur zu kommen, ist das Verdienst der Picasso-Expertin und stellvertretenden Sammlungsleiterin im Pariser Centre Pompidou Brigitte Leal.

Dabei hatte schon Picassos erster Biograph Jaime Sabartés erklärt, es sei „so gut wie unmöglich, etwas wirklich Neues über ihn zu sagen oder ihn auf originelle Weise darzustellen, denn seine eigene Originalität übersteigt ein jedes solches Unterfangen.“ Noch gegen Ende seines reichen Lebens hatte Picasso erklärt: „Ich habe immer weniger Zeit und immer mehr zu sagen.“

Malerei ist Poesie und wird immer in Versen mit bildnerischen Reimen, niemals in Prosa geschrieben. (Pablo Picasso)
 
Aus Picassos Oeuvre, das Tausende von Werken in sämtlichen Gattungen der bildenden Kunst umfasst, hat Leal die maßgeblichen Ikonen herausgefiltert – keine leichte Aufgabe bei einem Künstler, den sie gleich in der Einleitung mit Rubens und Michelangelo vergleicht. Brigitte Leals so kluge wie überschaubare Auswahl an Werken, die sie im Kontext der jeweiligen Lebens- und Schaffensphase Picassos vorstellt, lenkt den Blick auf das Wesentliche im künstlerischen Universum dieses Ausnahmetalents, das schon als Schüler seine Hefte mit verblüffenden Zeichnungen füllte, alle Stilrichtungen, Techniken und Gattungen der Kunst seiner Zeit scheinbar spielerisch beherrschte – wenn er sie nicht ohnehin selbst erfunden hat.

Epochale Hauptwerke der Malerei wie die Gaukler, die Demoiselles d’Avignon oder Guernica (doppelseitig) sind in diesem Buch in hervorragenden Reproduktionen ebenso vertreten wie Beispiele von Picassos bildhauerischen Arbeiten, kubistischen Collagen und Graphikserien.

Brigitte Leal, PABLO PICASSO (1881–1973), Verlag Schirmer/Mosel, 136 Seiten, 45 Farbtafeln, 9 Abbildungen, ISBN 978-3-8296-0640-0, Euro 14,80