Oper Madrid will Scala und London erreichen, Domingo feiert 70.!

Es gilt eher als provinziell und kann nicht annähernd an die großen Opernhäuser wie die Mailänder Scala oder das Londoner Royal Opera House Covent Garden heranreichen. Das soll nun anders werden.

Gérard Mortier, seit Anfang des Jahres künstlerischer Leiter des Teatro Real, will die Madrider Oper zu einem der führenden Häuser in Europa machen.

„Das ist ohne weiteres möglich“, erklärte der 66-jährige Kunstmanager voller Zuversicht bei der Vorstellung des Programms für die kommende Saison. „Da sehe ich überhaupt kein Problem.“

Er werde dafür sorgen, dass die besten Dirigenten und Opern-Regisseure nach Madrid kommen. Wenn im Teatro Real wichtige Uraufführungen stattfänden, werde die Welt der Oper von allein auf die spanische Hauptstadt blicken.

Das Enfant terrible der europäischen Kulturszene hat sich bereits mit Feuereifer ans Werk gemacht. Der Belgier lernte innerhalb von wenigen Monaten Spanisch und verordnete dem Teatro Real einen radikalen Kurswechsel. Die Position des Chefdirigenten wird abgeschafft und stattdessen ein Rotationssystem mit mehreren Stardirigenten eingeführt. Das Orchester wird aufgebessert und der Chor komplett ausgewechselt.

Die spanische Kulturszene begrüßte, dass der Belgier die verkrusteten Strukturen aufbrechen und dafür sorgen will, dass statt Beschaulichkeit mehr Bewegung in die Madrider Oper einkehrt. Allerdings wurden auch Zweifel laut: Wie wird Mortier mit seinen radikalen Neuerungen bei dem als konservativ geltenden Publikum in dem – gegenüber des Königspalasts gelegenen – Opernhaus ankommen? Man erinnerte daran, dass der Kunstmanager bereits als Intendant der Salzburger Festspiele mit seinem kühnen Programm zuweilen zum Buhmann des Stammpublikums geworden war.

Mortier weist die Bedenken zurück: „Die Leute in Madrid sind nett zu mir. Sie sehen in mir keinen Terroristen.“ Grundsätzlich sei das Publikum in praktisch allen Opernhäusern konservativ. „Entscheidend ist, ob die Besucher neugierig und für Neuerungen aufgeschlossen sind.“ Modernes sei nicht immer auch provokativ.

Dies werde sich an der Tschaikowski-Oper „Eugen Onegin“ zeigen, mit der das Bolschoi-Theater im September die Saison eröffnen wird. „Dies ist eine Geste der Öffnung, denn das Werk ist modern und zugleich traditionell“, sagte Mortier.

Auf dem Programm steht auch Carl Heinrich Grauns Oper „Montezuma“, die als internationale Koproduktion zuvor auf dem Festival „Theater der Welt“ in Mülheim/Ruhr als Weltpremiere aufgeführt wird.

Der spanische Startenor Plácido Domingo wird im Januar mit einem Konzert seinen 70. Geburtstag im Teatro Real feiern.

Dabei war Mortier nur durch einen Zufall nach Madrid gekommen. Er hatte eigentlich von Paris nach New York wechseln wollen, dann aber auf den Posten in den USA verzichtet, weil die City Opera ihr Budget drastisch kürzen musste.

Kurioserweise musste nun auch das Teatro Real Abstriche machen. „Das eine ist nicht mit dem anderen vergleichbar“, betonte der Mortier. „In New York sollte der Budget auf einen Schlag um 50 Prozent gekürzt werden.“

Der Madrider Oper seien bislang zehn Prozent der Mittel gestrichen worden, teilte Generaldirektor Miguel Muñiz mit. Allerdings sind weitere Kürzungen nicht ausgeschlossen.  (SAZ, dpa)

Foto: Josecarreras.es