Neue EU-Erbrechtregelungen für Auswanderer

Gleiches gilt für die Erbschaft. Lange Zeit existierten für das EU-Erbschaftsrecht keine einheitlichen Regelungen. Für nach Spanien Ausgewanderte galten bisher die Vorgaben des deutschen Erbrechts. Entsprechend dem Staatsangehörigkeitsprinzip entscheidet demnach die Staatsangehörigkeit des Erblassers darüber, welches Erbrecht anzuwenden ist. Mit Inkrafttreten der neuen Verordnung soll das Staatsangehörigkeitsprinzip bei Erbfällen mit Auslandsberührung innerhalb der EU durch das Wohnsitzprinzip ersetzt werden. Somit ist nicht mehr die Staatsangehörigkeit von in Spanien lebenden Deutschen ausschlaggebend dafür, welches Erbrecht angewendet wird, sondern der letzte Wohnsitz des verstorbenen Erblassers.

Was ändert sich durch die EU-Erbrechtsreform?

Mit der EU-Erbrechtsreform soll die Abwicklung von Nachlasssachen mit Auslandsbezug in der Europäischen Union erheblich vereinfacht werden. Trotz des neuen Grundsatzes haben deutsche Auswanderer ein Wahlrecht, was das Erbrecht betrifft. So können sie bestimmen, ob der Nachlass nach dem Recht der eigenen Staatsangehörigkeit geregelt werden soll. Das heißt: Auch wenn der gewählte Wohnsitz zum Beispiel in Barcelona liegt, können sie unabhängig davon selbst darüber verfügen, welches Erbrecht nach dem eigenen Ableben zur Anwendung kommt. Künftige Auswanderer sollten sich demnach vor ihrem großen Umzug damit beschäftigen, was mit dem Erbe im Falle ihres Versterbens passieren soll. Darauf bezogene Wünsche sollten testamentarisch festgelegt werden.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des neuen EU-Erbrechts wird die Einführung eines europäischen Nachlasszeugnisses sein. Dieses Zeugnis, das als internationaler oder europäischer Erbschein fungiert, soll den Erben den Umgang mit den verschiedenen Behörden und öffentlichen Stellen deutlich erleichtern. Erben und Nachlassverwalter können damit überall in der Union ohne weitere Formalitäten ihre Rechtsstellung nachweisen. Insgesamt sollen die Änderungen verhindern, dass die Mitgliedstaaten in Sachen Erbrecht einander widersprechende Entscheidungen fällen. Zudem garantieren sie insgesamt kürzere Verfahren und geringere Kosten.