Merkel toleriert Florentino: “Hochtief bis Januar geschluckt”

Nach nur 72 Stunden ließ Kanzlerin Merkel am Montag verkünden, dass es nicht Aufgabe der Regierung sei, die drohende Übernahme des Essener Baukonzerns durch den spanischen Rivalen ACS zu verhindern. Es werde keine “Lex Hochtief” – sprich härtere Gesetze – geben.

Am Wochenende hatte sich das noch anders angehört. Zwar stellte Angela Merkel ausdrücklich keine konkreten Maßnahmen oder Hilfen in Aussicht – erweckte aber zumindest den Eindruck, eine mögliche Zerschlagung des traditionsreichen Bauunternehmens aus dem Ruhrpott irgendwie verhindern zu wollen. Im Kanzleramt und Finanzministerium wurden Beamte auf die Sache angesetzt.

Das rief prompt den liberalen Koalitionspartner auf den Plan. Am Montagmorgen saß die CDU dann mit ihrem Kanzleramtschef Ronald Pofalla und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle von der FDP zusammen. Schnell soll sich die Runde einig gewesen sein, dass die ACS-Attacke rechtlich sauber ist und der Bund nicht aktiv wird.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner erklärte, wenn Hochtief übernommen werde, gefährde das eben nicht den Wettbewerb in der Branche. “Wir haben ja auch eine leistungsstarke mittelständische Bauwirtschaft.”

Eine Intervention des Staates wäre für die Exportnation Deutschland äußerst schädlich. “Wegen unserer Dominanz auf den Weltmärkten und unseres Exportüberschusses müssen wir uns gegen jede Form von Protektionismus wehren.”

Zuvor war spekuliert worden, die deutschen Wertpapiergesetze um schärfere Vorgaben wie in Großbritannien, Österreich, Spanien oder Italien zu ergänzen. Dort sind Käufer verpflichtet, nach Erreichen der 30-Prozent-Schwelle beim Aktienbesitz in weiteren Kaufschritten allen Aktionären ein Angebot zum aktuellen Kurswert zu machen.

In so einem Fall wäre die hoch verschuldete ACS-Gruppe wahrscheinlich kaum in der Lage, Hochtief zu schlucken. Inzwischen bereiten die Spanier aber eine milliardenschwere Kapitalerhöhung vor. Bis Ende Januar 2011 will der schillernde ACS-Boss und Real-Madrid- Präsident Florentino Pérez die Übernahme unter Dach und Dach haben.

Foto: Regierungonline/Kugler