Merkel spielt Champions League, Zapatero nur zweite Liga

Mini-Gipfel führender europäischer Wirtschaftsnationen ihne Spanien?

Eigentlich wollte Spaniens Regierungschef Zapatero sein Land wirtschaftspolitisch gesehen in die Champions League führen – das hatte der Sozialist seinen fußballbegeisterten Landsleuten noch im September mit eben diesen Worten versprochen. Dass ihm das bislang gelungen wäre, kann man nicht wirklich behaupten.

Denn vor dem Hintergrund der aktuellen Börsenkrise hatte Englands Premierminister Gordon Brown am Dienstag zum Mini-Gipfel der führenden europäischen Wirtschaftsnationen nach London geladen. Diskutiert wurde über mögliche Maßnahmen zum Schutz der nationalen Ökonomien. Spannend war dabei vor allem, wer auf der Gästeliste stand. Eingeladen waren als erste Frankreichs Nicolas Sarkozy und Deutschlands Angela Merkel.

Zapatero redet mit Jemens Ali Saleh – für El Mundo bloß ein „Freundschaftsspiel“

Als Italiens Romano Prodi Wind von dem kleinen Gipfel bekam, lud er sich kurzerhand selbst ein – schließlich gehört auch Italien zu den wirtschaftlichen führenden G-8-Staaten. Um die Runde nicht zum Affront für die Europäische Union werden zu lassen, wurde am Ende auch noch dessen Präsident Barroso eingeladen.

Spaniens José Luis Zapatero suchte man bei dem Treffen vergebens. Er traf sich zeitgleich mit Jemens Regierungschef Ali Abdullah Saleh, um über Tourismus und Gesundheitspolitik zu reden. Damit dürfte deutlich sein, wo man in Europa die Spanier wirtschaftlich sieht – nämlich in der 2. Liga. Für die konservative spanische Presse ein gefundenes Fressen, vor allem so kurz vor den Parlamentswahlen im März.

„Statt Champions League spielen wir Freundschaftsspiele“, höhnte „El Mundo“ und druckte neben dem Gipfel-Foto mit Merkel, Sarkozy und Co ein anderes Bild, auf dem ein süßsauer lächelnder Zapatero beim Treffen mit Saleh gezeigt wird.