Meistgesuchter ETA-Chef in Frankreich gefasst

Der französischen Polizei ist ein schwerer Schlag gegen die Untergrundorganisation ETA geglückt: 

Bei einem nächtlichen Einsatz in den Pyrenäen im Südwesten des Landes nahmen Einsatzkräfte am Montag den meistgesuchten Anführer der ETA fest. 

Der Einsatz sei "ein großer Schritt" im Kampf gegen die Baskenorganisation, erklärte Spaniens Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero. 

Die Polizei fasste Miguel de Garikoïtz Aspiazu Rubina in Begleitung einer Frau (Bild), die spanischen Berichten zufolge auch zur ETA gehört.

Die Polizei habe das Paar nachts um halb vier in einem kleinen Ort namens Cauteret festgenommen, hieß es in Ermittlungskreisen in Paris. 

"Txeroki" und seine Freundin seien zwar bewaffnet gewesen, die Polizei habe sie aber im Schlaf überrascht und die Wohnung gestürmt, bevor die beiden zu den Waffen greifen konnten, meldete die baskische Nachrichtenagentur Vasco Press. 

Bei der anschließenden Durchsuchung hätten die Beamten zwei Schusswaffen und gefälschte Papiere in der Wohnung gefunden, die "Txeroki" und seine Freundin für eine Woche angemietet hatten.

Laut Vasco Press wurden die Ermittler zunächst durch ein Auto mit gefälschten Nummernschildern auf den mutmaßlichen ETA-Anführer aufmerksam. Er habe völlig anders ausgesehen als auf dem einzigen Foto, das die Polizei in den vergangenen Jahren von ihm gehabt hatte. 

Der 35-jährige Baskenkämpfer und die Verdächtige sollten im Laufe des Tages in die südwestfranzösische Stadt Bayonne gebracht werden. "Txeroki" soll für mehrere tödliche Anschläge verantwortlich sein, darunter auch für das Attentat auf den Flughafen von Madrid im Dezember vor zwei Jahren.

Zapatero erklärte, der mutmaßliche Militärchef der ETA sei ziemlich sicher an dem Mord an zwei spanischen Polizisten in Südfrankreich vor einem Jahr beteiligt gewesen – einem der "blutigsten und verabscheuungswürdigsten" Verbrechen der Untergrundorganisation. 

Ein ETA-Kommando hatte die beiden Beamten kaltblütig vor einem Lokal erschossen, als sie bei einem Geheimdiensteinsatz im Nachbarland waren. 

Die Festnahme in Frankreich sei ein "entscheidender" Fortschritt im Kampf gegen die ETA, betonte Zapatero. Zwar habe die Organisation ihr Angriffsvermögen nicht eingebüßt und könne immer noch Schaden anrichten. Der Polizeieinsatz sei aber ein "harter Schlag" für sie, und die ETA gehe "geschwächt" daraus hervor. 

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und die französische Innenministerin Michèle Alliot-Marie lobten die "hervorragende Zusammenarbeit" der beiden Länder "im Kampf gegen den baskischen Terrorismus". Die Europäische Union führt die ETA seit 2001 auf ihrer Liste der Terrororganisationen. 

Beobachter der spanischen Terrorszene sind allerdings weit davon entfernt zu jubeln. Denn jetzt, so befürchten sie, könnte Aitzol Iriondo an die Spitze der ETA stoßen. Der war bislang fürs Bombenbasteln verantwortlich und gilt als noch gewalttätiger als "Txeroki".

Mikel Garikoitz Aspiazu soll die Führung der ETA-Kommandos vor fünf Jahren übernommen haben. Er ist für seinen unnachgiebigen Kurs gegenüber der spanischen Regierung bekannt und wird dafür verantwortlich gemacht, dass der Dialog mit Madrid scheiterte: Inmitten einer von der ETA ausgerufenen Waffenruhe schlug die Untergrundorganisation am 30. Dezember 2006 mit einem Anschlag auf den Madrider Flughafen zu, zwei Menschen kamen ums Leben. 

Die ETA kämpft seit vier Jahrzehnten gewaltsam für die Unabhängigkeit des Baskenlandes im Nordwesten von Spanien. Dabei starben bislang mehr als 820 Menschen.

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