Leipzig (ots) – Nach fast 20 Jahren endet der Einsatz in Afghanistan. Welche Spuren hat die Mission hinterlassen? Markus Spieker und Sibylle Licht begleiten den Abzug der Bundeswehr, sprechen mit Expertinnen, Experten und Menschen vor Ort über die letzten Jahre und eine ungewisse Zukunft. „Die Story im Ersten – Der Abzug: Die Afghanistan-Mission und was davon bleibt“ am 2. August, ab 18 Uhr in der ARD-Mediathek und um 23.20 Uhr im Ersten.

Zu Wort kommen auch Politiker, die den Einsatz verantwortet und begleitet haben wie Ex-Außenminister Joschka Fischer: „Für mich war immer klar, dass man nicht so einfach abziehen kann. Da hat sich über die Jahrzehnte etwas entwickelt, was jetzt aufgegeben wird und das wird für die betroffenen Menschen eine enorme Gefahr mit sich bringen. Außerdem spielt Afghanistan geopolitisch eine große Rolle in der Region. Iran, Pakistan, Indien, dieser Konflikt spielt da hinein. Und auch China ist direkter Anrainer, Russland ist ganz in der Nähe. Also die geopolitischen Konsequenzen werden jedenfalls massiv sein. Das ist absehbar.“

Der Krieg, der offiziell keiner war, dauerte länger und war verlustreicher als jede andere Bundeswehr-Mission. 59 Soldaten verloren ihr Leben, die Kosten werden auf über 20 Milliarden Euro geschätzt. Die Bilanz fällt zwiespältig aus. Zwar ist das ursprüngliche Ziel erreicht und die Terrorgruppe Al-Qaida in Afghanistan ausgeschaltet. Frauen könnenan vielen Orten studieren und sogar mitregieren. Die Infrastruktur wurde ausgebaut. Aber ein Großteil der Hilfsgelder ist in den Händen korrupter Politiker gelandet. Die Taliban rücken scheinbar unaufhaltsam wieder vor.

Seit 2015 berichten Markus Spieker und Sibylle Licht als Verantwortliche im Korrespondentenbüro Südasien (aufeinanderfolgend) über den Einsatz in Afghanistan. Sie begleiten die Räumung des Lagers in Mazar-e Sharif und die Ankunft der letzten Einheiten in der Heimat. Sie blicken aber auch zurück auf die anfänglichen Erfolge bei der Friedenssicherung sowie die blutige Rückkehr der Taliban. Und sie ziehen ein Fazit der letzten Jahre, in denen sich die Bundeswehr auf Beratung und Ausbildung beschränkte.

Soldatinnen und Soldaten erzählen von ihren Narben und den Lehren, die sie gezogen haben. Befragt werden Afghaninnen und Afghanen, die sehr unterschiedliche Erfahrungen mit dem Krieg gemacht haben: Zwei Schwestern, die in der Nähe des Bundeswehr-Camps die einzige frauengeführte Universität des Landes betreiben. Hilfskräfte, die sich vor der Rache der Taliban fürchten und nach Deutschland kommen wollen. Gleichzeitig gibt es Entwicklungshelfer, wie Stefan Recker von der Caritas, der in den entlegenen Provinzen weiter praktische humanitäre Hilfe leisten möchte.

Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung, Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei, Thinktank-Betreiber Thomas Ruttig, der schon den Abzug der Russen mitverfolgte und Militärhistoriker Sönke Neitzel ziehen eine Bilanz. Auch Nato-General Jörg Vollmer schaut besorgt in die Zukunft Afghanistans: „Die Zeit spielt momentan für die Taliban. Für dieses überall präsent sein, in den Medien, ihre eigenen Botschaften vermitteln, Angst zu vermitteln, dieses Gefühl der Bevölkerung zu geben, jetzt sind sie doch erfolgreich gewesen. Da ist ja viel Psychologie dabei und da kommt es sehr darauf an, dass in Kabul die Regierung stark genug ist, dem zu widerstehen.“

Wie haben sich die Bundeswehr, Deutschland insgesamt und Afghanistan durch den Einsatz verändert? Das fragt die Dokumentation „Der Abzug: Die Afghanistan-Mission und was davon bleibt“ im Ersten.

Hinweis an die Journalisten: Der Film steht am Montagvormittag (2. August) für Rezensionszwecke zur Verfügung.

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