Matajudíos: Juden töten seit 400 Jahren! “Anstößiger Ortsname, Alternative Judenhügel”

Für die etwa 60 Einwohner steht am 25. Mai eine andere Abstimmung im Mittelpunkt: Sie sollen darüber entscheiden, ob ihre Gemeinde den Namen «Matajudíos» – auf Deutsch: «Töte Juden» – ändern soll, den sie seit rund 400 Jahren trägt. Die antisemitische Bezeichnung soll durch die Änderung eines einzigen Buchstabens entschärft werden. Das Dorf Castrillo Matajudíos in der Gegend von Burgos soll künftig Castrillo Motajudíos heißen, was übersetzt «Judenhügel» bedeutet.

«Viele Menschen empfinden den Namen des Ortes als anstößig», sagte Bürgermeister Lorenzo Rodríguez der Nachrichtenagentur Efe. «Es ist nicht gerecht, dass der Ort mit einem Massaker in Verbindung gebracht wird, das es hier nie gegeben hat.» Motajudíos (Judenhügel) – dies war der Name gewesen, unter dem das Dorf im Jahr 1035 gegründet wurde. Im Nachbarort Castrojeriz hatte es damals einen Aufstand gegen den kastilischen König gegeben, der in ein Pogrom gegen die Juden ausartete. Diese flüchteten daraufhin aus der Stadt und gründeten eine neue Siedlung auf dem «Judenhügel».

Seit 1637 wird der Ort jedoch unter dem Namen «Töte Juden» urkundlich erwähnt. Weshalb die Bezeichnung im Laufe der Jahrhunderte geändert wurde, ist unklar. Der Bürgermeister vermutet, dass ein Schreiber durch ein Versehen aus «Motajudíos» irgendwann «Matajudíos» gemacht hatte. Der Archäologe Angel Palomino, der die Geschichte des Dorfes erforscht hat, nennt eine andere mögliche Erklärung. Danach könnte die Gemeinde Ende des 15. Jahrhunderts in Zeiten der Inquisition und der Judenverfolgung sich selbst in «Töte Juden» umbenannt haben, weil sie sich dem antisemitischen Trend anpassen und sich Ärger mit den Behörden ersparen wollte.

Die Gemeinde, die in ihrem Wappen einen Judenstern trägt, hatte im Jahr 1966 schon einmal einen Versuch unternommen, ihren Namen zu ändern. Damals sollte das Dorf nach seinem berühmtesten Sohn, dem Komponisten Antonio de Cabezón (1510-1566), benannt werden. Das Vorhaben scheiterte jedoch.

Der Begriff «Matajudíos» taucht in Spanien auch in anderem Zusammenhang auf. In der Gegend der Stadt León im Norden des Landes bezeichnet er einen Osterbrauch, der darin besteht, eine Mischung von Wein und Zitronensaft zu trinken.

Die Juden waren in Spanien im Mittelalter eine bedeutende Bevölkerungsgruppe. Fast alle Städte hatten jüdische Viertel, jüdische Wissenschaftler dienten maurischen Herrschern und christlichen Königen als Berater. Dies änderte sich im 15. Jahrhundert mit der Inquisition. 1492 stellte Spanien die Juden vor die Wahl, zum christlichen Glauben überzutreten oder das Land zu verlassen. Die Schätzungen der Zahl der Vertriebenen reichen von 50 000 bis über 300 000.

Heute leben in Spanien nach Angaben des Verbandes der Jüdischen Gemeinden etwa 40 000 Juden. Als eine Geste der Wiedergutmachung für die Judenvertreibung vor mehr als 500 Jahren plant die Madrider Regierung ein Gesetz, das den Nachfahren der Vertriebenen die Möglichkeit bieten soll, die spanische Staatsbürgerschaft zu erhalten.