Mariano Rajoy: Totgesagte leben länger! “Ewiger Verlierer” triumphiert!

Der Chef der konservativen Volkspartei (PP) hatte damals zum zweiten Mal die Wahlen zum spanischen Parlament gegen den Sozialisten José Luis Rodríguez Zapatero verloren.

Sogar die mit der PP sympathisierende Presse forderte den Rücktritt Rajoys als Parteichef. Dieser biedere Politiker aus der nordwestspanischen Region Galicien werde niemals eine Wahl gegen den rhetorisch gewandten Zapatero gewinnen, hieß es damals.

Aber man hatte den bärtigen Galicier mächtig unterschätzt. Der «ewige Verlierer» erwies sich als politischer Überlebenskünstler. Er ließ alle Kritik von sich abprallen und führte die PP nun zum höchsten Wahlsieg der Parteigeschichte. Rajoy erhielt von den spanischen Wählern das Mandat, das Land aus der Wirtschaftskrise zu führen.

Mit der Bekämpfung von Krisen kennt er sich aus. In der Regierung des früheren PP-Ministerpräsidenten José María Aznar (1996-2004) hatte Rajoy als Krisenmanager den Kampf gegen den Rinderwahnsinn und gegen die Umweltkatastrophe nach dem Untergang des Öltankers «Prestige» organisiert.

Der 56-Jährige ist kein Ideologe. Er trat weder als konservativer Ultra noch als Liberaler in Erscheinung. Rajoy zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er selbst in komplizierten Situationen Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. «Wenn man seine Arbeit gut macht, stellen sich auch die Ergebnisse ein», lautet seine Devise.

Rajoy will die – sich bedrohlich zuspitzende – Schuldenkrise mit einem drastischen Sparprogramm meistern. Er ließ aber offen, wo er genau den Rotstift ansetzen will. Im vorigen Jahr hatte er die PP im Parlament gegen die Sparbeschlüsse stimmen lassen, zu denen Zapatero sich auf Druck der EU-Partner durchgerungen hatte.

Seinen historischen Wahlerfolg verdankt Rajoy nicht nur der Krise, sondern wohl auch der Tatsache, dass er die PP auf eine gemäßigte Linie brachte. Er ging auf Distanz zu den konservativen Hardlinern um seinen politischen Mentor Aznar, der ihn 2003 per Fingerzeig zum PP-Parteichef gemacht hatte.

Rajoy war als junger Mann ein strebsamer Student gewesen. Während seines Jura-Studiums hielt er sich von den Studentenprotesten gegen die Franco-Diktatur (1939-1975) fern. Zur Politik fand er erst nach dem Ende des Regimes. Er schloss sich der Volksallianz (AP) an, zu der sich neben Konservativen auch Anhänger des Ex-Diktators zusammengeschlossen hatten und aus der später die PP hervorging.

Mit nur 31 Jahren wurde Rajoy Vizeregierungschef in seiner Heimatregion Galicien. Aznar holte ihn später nach Madrid und machte ihn zu einem Mann des PP-Parteiapparats. In der Aznar-Regierung diente Rajoy in einer Reihe von Ämtern: Er war Minister für öffentliche Verwaltung, für Erziehung, Inneres, Minister im Amt des Premiers, Regierungssprecher und Vizepremier. In dieser Zeit gab er nie Anlass zu nennenswerten Protesten. Allerdings sind von ihm auch keine größeren Projekte in Erinnerung.