Mariano Rajoy: Korruption, Öl-Desaster, Rinderwahnsinn

Zudem hatte er in der Regierung des früheren spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar (1996-2004) als Krisenmanager den Kampf gegen den Rinderwahnsinn und gegen die Umweltkatastrophe nach dem Untergang des Öltankers «Prestige» organisiert. Nun soll er Spanien aus der Wirtschafts- und Finanzkrise führen.

Der 56-jährige Chef der konservative Volkspartei (PP) konnte bei der vorgezogenen Wahl am Sonntag schon nach den Umfragen auf einen Erdrutschsieg und eine absolute Mehrheit im Parlament hoffen. Dabei hatte der Galicier nach seinen Niederlagen bei den Parlamentswahlen 2004 und 2008 schon als ein «ewiger Verlierer» gegolten.

Rajoy ist alles andere als ein politischer Führer, der die Spanier zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Der bärtige Konservative mit der leicht lispelnden Aussprache ist eher ein biederer Politiker, der zum Ausgleich und Dialog neigt.

Rajoy will die – sich bedrohlich zuspitzende – Schuldenkrise mit einem drastischen Sparprogramm meistern. Er ließ aber offen, wo er genau den Rotstift ansetzen will. Im vorigen Jahr hatte er die PP im Parlament gegen die Sparbeschlüsse stimmen lassen, zu denen der sozialistische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sich auf Druck der EU-Partner durchgerungen hatte.

Im Wahlkampf vermied Rajoy radikale Sprüche und schwenkte auf eine gemäßigte Linie ein. Damit ging er auf Distanz zu den konservativen Hardlinern in der PP um seinen politischen Mentor Aznar. Der damalige Regierungschef hatte Rajoy 2003 per Fingerzeig zu seinem Nachfolger als PP-Parteichef gemacht. Mit ihrem neuen Parteiführer verloren die Konservativen 2004 überraschend die Wahlen gegen Zapateros Sozialisten. Die Abstimmung damals stand im Schatten der Bombenanschläge islamistischer Terroristen auf vier Madrider Pendlerzüge.

Die PP und Rajoy bekamen von den Wählern die Quittung dafür, dass die Aznar-Regierung die US-geführte Militärintervention im Irak unterstützt hatte, obwohl die große Mehrheit der Spanier dagegen war. Als Rajoy 2008 seine zweite Wahlschlappe gegen den rhetorisch gewandteren Zapatero bezog, wollte er schon das Handtuch werfen. Er blieb dann aber als PP-Chef doch im Amt, um einen Machtkampf in der Parteiführung zu verhindern.

Rajoy ist kein Ideologe. Er trat weder als konservativer Ultra noch als Liberaler in Erscheinung. Er zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er selbst in komplizierten Situationen Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Der Aznar-Regierung diente er in einer Reihe von Ämtern: Er war Minister für öffentliche Verwaltung, für Erziehung, Inneres, Minister im Amt des Premiers, Regierungssprecher und Vizepremier.

Im Privatleben ist Rajoy ein eher geruhsamer Mensch. Er raucht gerne Zigarren und schaut sich daheim im Fernsehen Fußballspiele oder die Tour de France ein. Seinen Bart ließ er sich stehen, um eine Halsverletzung zu vertuschen, die er als Student bei einem Autounfall erlitten hatte.