Marbella: Laufsteg der Korruption! “Ich will kassieren!”

Darunter sind ehemalige Bürgermeister, Stadträte, angesehene Unternehmer und Anwälte. Sie hatten laut Anklage in Marbella, einem Treffpunkt von Ölscheichs und Showstars an der Costa del Sol, ein verzweigtes Netzwerk betrieben, das nach einem einfachen Schema operierte: Investoren und Bauunternehmer zahlten den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung hohe Schmiergelder und erhielten dafür die gewünschten Baulizenzen.

Zuweilen durften sogar ausgewiesene Sport- oder Parkgelände bebaut werden. Etwa ein Drittel der 80.000 Wohnungen in Marbella wurden illegal errichtet.

Im Ferienparadies der Reichen und Schönen machte die Korruption sich so sehr breit, dass die spanische Regierung 2006 erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes eine gewählte Stadtregierung absetzte.

Als der eigentliche Drahtzieher des Bestechungsskandals gilt der 57-jährige Juan Antonio Roca. „Ohne seine Zustimmung bewegt sich in Marbella kein Blatt und kein Ziegelstein“, hieß es bis zur Aufdeckung des Skandals in der Stadt.

Roca hielt sich stets im Hintergrund, galt aber als der eigentliche Herrscher über Marbella (120.000 Einwohner). Er soll laut Anklage in zehn Jahren ein Vermögen von über 200 Millionen Euro angehäuft haben, das er über ein Netz von Strohmännern waschen ließ. Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft 30 Jahre Haft.

Auf der Anklagebank befinden sich neben Roca auch andere schillernde Figuren. Dazu gehört Julián Muñoz, der als Gefolgsmann des 2004 gestorbenen Bürgermeisters und Baulöwen Jesús Gil vom Kellner zum Stadtoberhaupt aufgestiegen war. Er wurde in ganz Spanien berühmt durch seine Romanze mit der beliebten Sängerin Isabel Pantoja. Die Musikerin soll ihrem damaligen Geliebten geholfen haben, Schmiergelder verschwinden zu lassen.

Durch die Schlagzeilen in der Klatschpresse hielt Muñoz sich für so stark, dass er es wagte, sich mit Roca anzulegen. Dieser Schachzug kostete ihn jedoch das Bürgermeisteramt. Roca organisierte hinter den Kulissen ein Misstrauensvotum, mit dem Muñoz gestürzt und die drittklassige Sängerin Marisol Yagüe zur Bürgermeisterin gewählt wurde.

Die politisch unbedarfte Frau war nach Angaben des Ermittlungsrichters bis zu ihrer Festnahme 2006 eine „reine Marionette“ in den Händen Rocas. Für sie fordert die Staatsanwaltschaft 20 Jahre Haft, für Muñoz zehn Jahre.

Angeklagt ist auch Yagües frühere Stellvertreterin Isabel García Marcos. Sie hatte jahrelang als Oppositionschefin dem berüchtigten Gil das Leben zur Hölle gemacht. Aber irgendwann erlag die attraktive Sozialistin der Versuchung der Macht und schwenkte ins Lager ihres Erzfeindes über.

Die Zeitung El Mundo nannte die Stadtoberen Yagüe und García Marcos unter Anspielung auf deren gefärbten Haare „blondierte Königinnen der Korruption“.

Die später aus der Sozialistischen Partei (PSOE) ausgeschlossene, stellvertretende Bürgermeisterin García Marcos sagte laut Anklage bei Beratung über einen Altenheim-Bau: „Ich will dabei kassieren. Wenn ich kein Geld bekomme, werde ich keine der Unterlagen bearbeiten und nicht einmal lesen.“

Foto: Wikipedia