Lebensversicherung verkaufen: Das muss beachtet werden!

Symbolisches Bild des Herzschlags mit einer FamilieDer Verkauf der Lebensversicherung kann einen Rückkaufswert von bis zu 105 Prozent erzielen. Bildquelle: geralt / Pixabay

Eine Lebensversicherung ist normalerweise eine langfristige Angelegenheit. Man sorgt privat für das gehobene Alter vor, um die gesetzliche Rente aufzubessern. Jedoch können unvorhergesehene Ereignisse die Lebenssituation grundlegend ändern, die den Zugriff auf das Ersparte einfordern. Um ein gewissen Grad an Liquidität beizubehalten, wird auch mal die Lebensversicherung geopfert. Im Jahr 2017 haben Sparer Lebensversicherungen im Wert von etwa 12,7 Milliarden Euro „gekündigt“.

Verkauf statt Kündigung

In kritischen Lebenslagen fehlt häufig die objektive Betrachtungsweise der Situation und so werden vorschnelle Handlungen getätigt, die im Nachgang wesentlich besser hätten gelöst werden können. Das trifft auch auf die Handhabung von Lebensversicherungen zu, wenn der Kaufwert wieder zurück ins eigene Portemonnaie fließen soll. Denn die Kündigung ist in der Regel nicht die beste Wahl.

Wer das investierte Geld zurückhaben möchte und bereits einige Jahre angespart hat, kann den Vertrag – die Police – auch verkaufen. Am Zweitmarkt für Renten- und Lebensversicherungen gibt es viele unterschiedliche Unternehmen, die Verträge aufkaufen und die entsprechende Summe ausbezahlen. Als Versicherte profitiert man beim Verkauf vom sogenannten Rückkaufswert, der in der Regel höher als die investierte Summe beim Kauf ist.

Für wen lohnt sich der Lebensversicherungsverkauf?

Wer früher als zum vereinbarten Datum Geld aus der privaten Lebensversicherung oder Rentenversicherung nimmt, zahlt letztlich immer drauf. Diese Faustregel gilt auch bei einem Verkauf des Vertrags. Man verzichtet gleichzeitig auf weitere Verzinsung des Sparguthabens, auf Überschüsse und den Schlussbonus, den der Versicherer zum Ende der Laufzeit gutschreibt.

Daher muss sich im Vorfeld die Frage gestellt werden, warum man die eigene Lebensversicherung loswerden möchte. Im Anschluss sollten die einzelnen Möglichkeiten erörtert werden. Wird z.B. nur kurzfristiges Kapital benötigt, kann die Police auch beliehen werden. Eine temporäre Beitragsfreistellung ist ebenfalls im Rahmen des Möglichen.

Wie läuft der Verkauf ab?

Der Verkauf einer Lebensversicherung erfolgt in mehrere Etappen. Zunächst gibt man bei dem ausgewählten Anbieter die eigenen Daten in ein Online-Formular ein. Zu diesen Informationen gehören neben Kontaktdaten auch die Angaben zum jeweiligen Vertrag. Daten wie Policenummer, Versicherer, Vertragslaufzeit und Rückkaufswert müssen allesamt angegeben werden.

Im zweiten Schritt muss dem Ankäufer eine Informationsvollmacht erteilt werden. Damit wird das Recht eingeräumt, die eigenen Daten beim Versicherer zu überprüfen und falls nötig weitere relevante Daten anzufordern. Nachdem man die Vollmacht unterschrieben hat, wird diese zusammen mit der Kopie des Versicherungsscheins an den Ankäufer geschickt. Daraufhin erhält man ein entsprechendes Angebot, dass generell für 14 Tage gültig ist.

Warum die Lebensversicherung verkaufen?

Wer seine Lebensversicherung verkauft, tritt alle Ansprüche aus dem Vertrag an den jeweiligen Ankäufer ab. Der Anbieter übernimmt somit alle vertraglichen Rechte und profitiert von der guten Verzinsung von älteren Verträgen, den Überschüssen und dem Schlussbonus. Dafür bezahlt er in der Regel bis zum Vertragsende weiterhin die Beiträge. Als Verkäufer bekommt man dafür einen Mehrerlös durch den Rückkaufswert, der bei einer Kündigung komplett wegfallen würde.

Verbraucher, die ihre Lebensversicherung gekündigt haben, verschenken in der Regel viel Geld. Das zeigt der Zeitraum von 2000 bis 2018, in dem bei einem Mehrerlös von drei Prozent gegenüber der Kündigung circa sieben Millionen Euro verpulvert wurden. Bei fünf Prozent Mehrerlös sind es sogar 11,8 Millionen Euro, die aus dem Fenster geschmissen wurden. Bei einem Verkauf wären diese Summen auf die Konten der Versicherten geflossen.

Situation der Versicherer

Die Kapitallebensversicherungen befinden sich seit den letzten Jahren in einer kritischen Lage. Grund dafür ist der schrumpfende Bestand der Lebensversicherungen. Dieser Negativtrend ist schon seit geraumer Zeit zu beobachten und stellt die Versicherer vor schwierigen Aufgaben. Neue Verträge werden in diesem Bereich immer seltener abgeschlossen. Die Rendite der Kapitalanlagen ist im letzten Jahr um 20 Prozent eingebrochen.

Die kritische Situation wird zudem dadurch verschärft, dass Bestandskunden ihre Policen kündigen und das Geld für alternative Investitionsmöglichkeiten nutzen. Der Tod wird zunehmend von anderen Versicherungen abgesichert, die deutlich weniger Kosten im Monat verschlingen. Im Jahr 2011 und 2016 verbuchten die Versicherer sogar mehr Auszahlungen als Beitragseinnahmen.

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