Krisenzeiten: Niedrige Scheidungsrate dank gestiegener Zinsen

In Spanien sorgen die Wirtschaftskrise und die steigenden Hypothekenzinsen derzeit dafür, dass immer mehr Paare, die sich trennen wollen, weiterhin unter dem selben Dach leben und auf den Verkauf ihres Eigenheimes warten.

Immerhin haben über 90 Prozent der Spanier eine eigene Wohnung, nur die wenigsten leben zur Miete, wenn sie nicht noch bei ihren Eltern wohnen. Die Scheidungsrate in Spanien zählt zu den höchsten Europas. Die Trennung praktisch durchzuführen wird allerdings immer schwieriger.

Der hohe Euribor, die fallenden Preise auf dem Immobilienmarkt und eine steigende Arbeitslosenquote haben mittlerweile immer mehr Paare zu Hypotheken mit einer Laufzeit von 30 oder 40 Jahren verdonnert. An eine Trennung ist in Anbetracht der enormen finanziellen Verpflichtungen nicht zu denken, auch wenn viele Paare diese herbeisehnen.

“In den vergangenen Monaten erhielten wir sehr viele Anfragen von Paaren, die ihr Haus nicht verkaufen können und solange zusammenleben müssen, bis sie einen Käufer finden”, erzählt auch Alberto Rubio vom Internetportal Separaciononline.com.

Niedrige Scheidungsraten dank gestiegener Zinsen

Im Klartext: Die Hypotheken haben es geschafft, die hohe Scheidungs- und Trennungsrate in Spanien zu mildern. In nur einem Jahr haben sich 9,2 Prozent weniger Paare getrennt als im Vorjahr.

Im ersten Trimester diesen Jahren sank die Scheidungsrate um 18,1 Prozent, in Regionen wie Madrid sank sie sogar um 22,4 Prozent. Die Rate läge noch höher, wenn man all diejenigen Paare hinzurechnet, die zum Zeitpunkt des Immobilienbooms ein Eigenheim erworben haben, ohne verheiratet gewesen zu sein.

Die Alternative: "Wohnen im Schichtbetrieb" – Zwei Monate ich, zwei Monate du

Die Geschichte von der 31-jährigen Marta aus Madrid ist ein typischer Fall: Sie ist zu 50 Prozent Eigentümerin einer Sozialwohnung, die sie im Jahr 2004 gemeinsam mit ihrem Mann für 126.000 Euro gekauft hat.

Anfang diesen Jahres trennte sich das Paar. Man überlegte, dass eine der beiden Parteien die Hälfte des anderen abkaufen könnte. “Aber die Bank gibt lediglich den legal vorgeschriebenen Höchstpreis von 120.000 Euro”, berichtet Marta. “Wir würden Geld verlieren, das ist undenkbar. Jetzt haben wir eine Alternative gefunden.” Sie teilen sich ihre Wohnung im Schichtbetrieb.

Zwei Monate lang lebt Marta, zwei Monate lang lebt ihr Ex in der gemeinsamen Wohnung. “In den anderen zwei Monaten wohne ich wieder bei meiner Mutter”, erklärt sie. Gemeinsam zahlen sie weiterhin ihre Hypothek in Höhe von 680 Euro.

Experten raten zu solchen Alternativen. “Es ist besser, rotierend das gemeinsame Eigenheim zu bewohnen, als weiterhin unter einem Dach zu leben. Getrennte Paare geraten dadurch in neue Konflikte und das generiert Stress und Depressionen.”

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