Königin von Mallorca gestürzt, Tourismus fürchtet Chaos

Mit ihrer Partei UM (Mallorquinische Union) entschied sie, wer die spanischen Ferieninseln der Balearen regieren durfte. Mal gab die Parteiführerin mit dem blond gefärbten Haar den Konservativen den Vorzug, mal den Sozialisten.

Ihre liberal ausgerichtete UM hat zwar nur wenig Rückhalt in der Bevölkerung – 6,7 Prozent der Stimmen bei der Regionalwahl 2007 -, aber sie prägte die Politik auf dem Archipel, zu dem neben Mallorca auch Menorca, Ibiza und Formentera gehören.

Nun aber droht die „Königin von Mallorca“ tief zu fallen. Bei der Justiz steht die 54-Jährige im Verdacht, öffentliche Gelder in die eigene Tasche gewirtschaftet und Bauaufträge befreundeten Unternehmern zugeschanzt zu haben.

Reihenweise wurden Spitzenpolitiker ihrer Partei festgenommen, darunter Ex-Parteichefs und Minister, weil sie in Korruptionsskandale verwickelt gewesen sein sollen. Munar selbst genießt als Präsidentin des Balearen-Parlaments Immunität.

Ihre UM wurde von der Zeitung El Mundo als die „korrupteste Partei in ganz Spanien“ bezeichnet. Sie wird in der Öffentlichkeit als eine Klientel-Organisation dargestellt, deren Führern es in erster Linie darum ging, abzukassieren und Parteifreunde in öffentlichen Ämtern unterzubringen.

Vor anderthalb Wochen kündigte der Regierungschef der Balearen, Francesc Antich, seine Koalition mit der Munar-Partei auf und warf die UM-Minister aus dem Kabinett. Dem Sozialisten war auch nichts anderes übrig geblieben. Er hatte mit ansehen müssen, wie ehemalige Minister von der Polizei abgeführt wurden. In zweieinhalb Jahren musste er viermal einen neuen Tourismusminister ernennen.

Nun hängt die Regierung der Balearen, der reichsten Region Spaniens, buchstäblich in der Luft. Die Sozialisten und der mit ihnen verbündete Linksblock haben ohne die UM im Parlament keine Mehrheit mehr. Niemand in Palma kann sagen, was morgen geschehen wird.

In der Tourismusbranche macht sich angesichts der Instabilität Sorge breit. Nach dem Rückgang der Urlauberzahlen im vorigen Jahr benötigt die Schlüsselindustrie der Inselgruppe dringend neue Impulse, aber diese sind in der jetzigen Situation von der Regierung kaum zu erwarten.

Antich will nicht die Vertrauensfrage stellen. Aber die Opposition kann sich auch nicht dazu durchringen, die Regierung zu stürzen. Die konservative Volkspartei (PP) wurde selbst erst kürzlich von mehreren Korruptionsskandalen aus ihrer Regierungszeit von 2003 bis 2007 erschüttert. Ihr neuer Parteichef hat keinen Sitz im Parlament und scheidet als Alternative aus.

Die PP dürfte auch Munar deren „Verrat“ aus dem Jahr 2007 kaum vergessen haben. Die UM-Politikerin, die vier Jahre lang der PP unter Jaume Matas eine Regierungsmehrheit gesichert hatte, entschied sich damals überraschend für die Sozialisten und verbannte die PP in die Opposition. Die Hintergründe dieses Schwenks wurden nie ganz klar.

Vielleicht hatte Munar geahnt, dass die Skandale um den konservativen Regierungschef Matas auffliegen würden, und sich deshalb mit dem „Saubermann“ Antich verbündet. „Munar glaubt an nichts“, beschreibt ein Mitarbeiter nach Angaben der Zeitung El País die Politikerin. „Sie hat sich der großen Parteien bedient, um das zu bekommen, was sie wollte. Für sie ist alles nur eine Frage des Preises.“ (SAZ, dpa)

Foto: Diario de Mallorca