Katalonien verbietet Corrida: Nationalismus vor Tierschutz

68 Abgeordnete waren für die Abschaffung der Corrida, 55 dagegen, neun enthielten sich. Das Verbot gilt ab 1. Januar 2012.

Es ist das erste Verbot der uralten Tradition auf dem spanischen Festland. Auf den Kanarischen Inseln sind die Stierkämpfe bereits seit 1991 verboten.

Die gemäßigten Nationalisten (CiU), die im Regionalparlament in Barcelona die größte Fraktion stellen, waren mehrheitlich für einen Stierkampfbann. Dieser wurde auch von Separatisten (ERC) und kleineren Linksparteien unterstützt.

Unklar war das Votum der regierenden Sozialisten (PSC). Diese wollten sich ursprünglich geschlossen gegen ein Verbot aussprechen, gaben ihren Abgeordneten aber letztlich freie Wahl – anders gesagt: Sie drückten sich vor der Verantwortung.

Das Umfallen der katalanischen Sozialisten, die um ihre Wiederwahl bei den Regionalwahlen 2011 fürchten, sollten sie sich nicht stramm nationalistisch zeigen, wurde in Spanien mit Häme quittiert – zumal Kataloniens Regierungschef Montilla, der aus Andalusien stammt, ein bekennender Stierkampf-Freund ist.

Zuletzt zeigte die Zeitung "El Mundo" noch Fotos von ihm bei einer Corrida. Auch in Madrid, wo die Sozialisten regieren, ist ein Verbot des Stierkampfes kein Thema.

Fakt ist: Bei der Abstimmung kurz vor der Sommerpause des katalanischen Parlaments ging es nicht um Tierschutz , sondern um eine politische Abrechnung mit Madrid.

Dort hatte das spanische Verfassungsgericht zuletzt das so genannte "Statut" gestutzt und verhindert, dass sich Katalonien auch politisch "Nation" nennen darf. Auch die Sozialisten schäumten, Regierungschef Zapatero, der die Katalanen zum Regieren braucht, zeigte sich betroffen.

Fakt ist auch: An ein Verbot der in vielen katalanischen Dörfern beliebten Stiertreiben, den "Correbous", wagen sich die Volksvertreter Kataloniens nicht. Die Tiere, die dabei mit brennenden Teerkugeln an den Hörnen durch die Straßen gehetzt werden, sind den Abgeordneten nämlich egal. Es geht um Politik, sonst nichts. 

Deshalb wurde jetzt nicht die katalanische Version des Tierequälens abgeschafft, sondern das professionelle und schnelle Töten in der Arena.

Das besorgen nämlich mehrheitlich Nicht-Katalanen, zum Beispiel El Juli und José Tomás aus Madrid. (SAZ, dpa; Foto: TVE)

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