"David John Cawdell Irving ist ein britischer Geschichtsrevisionist und Holocaustleugner." So präsentiert das Lexikon "Wikipedia" den umstrittenen Historiker.

"El Mundo" führte jetzt ein Interview mit ihm und bekam dafür Prügel – noch bevor das Interview am Samstag gedruckt war.

Denn dass das konservative spanische Blatt Irving anlässlich einer Serie zum 70. Jahrestags des Beginns des 2. Weltkriegs zu Wort kommen lässt, ist vielen nicht geheuer.

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Zum Beispiel der israelischen Zeitung "Yediot Ajaronot" sowie anderen Interviewpartnern der Zeitung, die in der gleichen Serie zu Wort kommen durften – darunter der Direktor des Holocaust-Museums in Jerusalem, Avner Shalev. Er sagte: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich El Mundo kein Interview gegeben."

Aber auch Spaniens Außenminister Miguel Ángel Moratinos mischte sich ein. Moratinos klagt: "Ich respektiere voll und ganz die Pressefreiheit, aber bedaure außerordentlich, dass die Zeitung einem solchen Revisionisten eine Plattform bietet."

Denn Irving wiederholt dabei einige seiner wohlbekannten und in der Fachwelt verworfenen Thesen, mit denen er seit den 60er-Jahren Furore macht. Darunter die, dass Adolf Hitler ein einfacher Mann gewesen sei, der von seinen Gefolgsleuten, vor allem Goebbels und Himmler, getäuscht worden sei. Von den wahren Ausmaßen der Judenverfolgung habe Hitler nichts gewusst.

Außerdem im Repertoire Irvings, das er in "El Mundo" zum Besten gibt: Englands Premier Winston Churchill war keinesfalls ein besserer Mensch als Hitler, auch er verachtete die Leben vieler Unschuldiger.

Dass der zweite Weltkrieg unvermeidlich war und keinesfalls von Hitler provoziert, ist die logische Folge von Irvings Gedanken. Ebenso die Tatsache, dass Hitler überhaupt keinen Weltkrieg wollte, sondern nur eine Ausweitung der deutschen Grenzen auf das Sudetenland und Danzig.

Dass der Holocaust im zweiten Weltkrieg nur ein "Randaspekt" gewesen sei, gehört ebenfalls zu Irvings Thesen. Erst in den 70er-Jahren sei daraus eine regelrechte "Mode" gemacht worden – nicht zuletzt um Geld damit zu verdienen.

"El Mundo" dazu in einer Stellungsnahme: "Wir teilen den Großteil der Auslassungen Irvings nicht, aber wir verteidigen sein Recht, sich frei zu äußern."

Die "Süddeutsche Zeitung" aus München: "Die spanische Zeitung El Mundo gibt sich gerne den Anstrich der Seriosität. Ihr ganzes Erscheinungsbild ist darauf ausgerichtet, am Kiosk zu kaschieren, dass sie sehr gerne mit Dreck schleudert, wenn es sich gut verkauft."

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Foto: Wikipedia