Hercules-Skandal: Regierung will Aufklärung

Die Aufdeckung eines Bestechungsskandals lässt die spanische Regierung um den Ruf des Fußballs im Land des Weltmeisters bangen. 

Die Oberste Sportbehörde CSD setzt alle Hebel in Bewegung, um zu verhindern, dass die Affäre um Schmiergeldzahlungen im Sande verläuft. 

Sie drängt darauf, dass die Berichte über angeblichen Lug und Betrug im Kampf um den Aufstieg zur Primera División noch vor Beginn der Spielzeit am 28. August aufgeklärt werden.

Wie die Zeitung El País berichtet, will die Staatsanwaltschaft auf Betreiben der Regierung die Entscheidung eines Gerichts anfechten, den Fall zu den Akten zu legen und belastende Tonbandaufzeichnungen unter Verschluss zu halten. Im Kampf um den Aufstieg in die Primera División sollen in der vorigen Saison massiv Schmiergelder geflossen sein.

Im Mittelpunkt des Skandals steht der Mehrheitsaktionär des Erstliga-Aufsteigers Hércules Alicante, Enrique Ortiz. Dieser soll nach abgehörten Telefongesprächen versucht haben, zur Sicherung des Einzugs in die 1. Liga vier Zweitliga-Teams zu bestechen. In einem Fall soll die Bestechung erfolgreich gewesen sein.

Die Justiz stellte ihre Ermittlungen ein, weil Schiebung im Sport nach spanischem Recht nicht strafbar ist. Die Staatsanwaltschaft will diese Entscheidung jedoch anfechten mit dem Argument, dass die Manipulation von Spielausgängen ein Betrug sei. Dadurch seien das Fußball-Toto und Sportwetten verfälscht und Wetter um ihren Gewinn gebracht worden, hieß es in der Anklagebehörde. Betrug sei eindeutig ein Straftatbestand.

Die Sportbehörde CSD will außerdem erreichen, dass die Justiz die belastenden Tonbandaufnahmen dem Fußballverband RFEF zur Verfügung stellt, damit dieser Sanktionen verhängen kann. Die Gerichte lehnen eine Herausgabe bisher ab, weil sie darin einen unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre der abgehörten Personen sehen.

Rechtsexperten schätzen die Chancen jedoch als gering ein, den zuständigen Ermittlungsrichter zu einer Herausgabe der Tonbänder mit den abgehörten Telefongesprächen zu bewegen. Der Richter habe seine ablehnende Haltung juristisch gut begründet und auf mehrere Urteile des Obersten Gerichtshofs verwiesen.

El País erhob in einem Leitartikel die Forderung, der RFEF und die Profi-Liga (LFP) sollten sich auf eigene Faust um eine Aufklärung bemühen. Die auflagenstärkste spanische Tageszeitung wies darauf hin, dass in Italien die Aufdeckung eines Bestechungsskandals unter anderem den Zwangsabstieg von Juventus Turin zur Folge hatte. In Spanien hüllen sich der RFEF und die LFP zu dem Skandal bislang in Schweigen. (SAZ; Foto: Marca)

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