Rohrdorf/Achenmühle (ots) – Die Medizinproduktindustrie beschäftigt in Europa über 800.000 Menschen, von denen alleine in Deutschland über 200.000 beschäftigt sind, viele davon in Forschung und Entwicklung sowie der Produktion. Diese Branche ist auf funktionierende Lieferketten und entsprechende Schutzausrüstung in sensiblen Produktionsbereichen angewiesen. Seit einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem, auch das mittelständische Medizintechnik-Unternehmen Medi-Globe Group, das international tätig ist. Das Gespräch mit CEO Martin Lehner zeigt Einblicke, wie man auch in Krisenzeiten die kontinuierliche Versorgung der Patienten weltweit sicherstellt.

Sie haben langjährige Erfahrung im Führen von Firmen. Welche Herausforderungen hat die SARS-CoV-2 Pandemie an Sie als CEO gestellt?

Oberste Priorität hatte der Infektionsschutz unserer Mitarbeiter gefolgt von der Sicherstellung der Lieferfähigkeit und des Geschäftsbetriebs. Und natürlich haben wir dafür gesorgt, dass unsere Liquidität sichergestellt bleibt.

Welche Prioritäten haben Sie sich und dem Management gesetzt, als sich Anfang 2020 abzeichnete, dass die Pandemie die Medizin, die Medizintechnik und damit auch die Medi-Globe Group stark beanspruchen wird?

Wie gesagt, hatte die Gesundheit unserer Mitarbeiter von Beginn an alleroberste Priorität. Entsprechend haben wir mit unserem Arbeitsschutz neben einem Hygienekonzept ein New-Work-Modell entwickelt, das es unseren Mitarbeiten ermöglicht, bestmöglich im Home-Office zu arbeiten. In unserem Produktionswerk in Tschechien haben wir frühzeitig freiwillige Tests durchgeführt und konnten so die Produktion ununterbrochen fortführen. Zweitens haben wir uns die Frage gestellt, wo die vulnerablen Stellen unserer zentralen Wertschöpfung sind. Was müssen wir tun, um lieferfähig zu bleiben? Haben wir genügend Liquidität? Welchen Einfluss haben die ausgefallenen elektiven Eingriffe für unsere Bedarfsplanung der Produktgruppen? Außerdem haben wir mit unseren Kunden und Geschäftspartnern in den Märkten mit eigener Vertriebsstruktur als auch unseren internationalen Distributoren die Lage kontinuierlich jede Woche neu bewertet und Planungs- sowie Backup-Szenarien für unerwartete Situationen für jeden Bereich entwickelt.

Bislang haben Sie die Medi-Globe Group sicher durch die Pandemie geführt. Was hat Sie erfolgreich gemacht?

Wir haben uns bereits Mitte Januar 2020 mit unseren Partnern und unseren Teams vor Ort eng abgestimmt, um mögliche Engpässe in der Lieferkette zu identifizieren. Damit konnten wir Lieferausfälle vermeiden. Sehr erfolgreich arbeitete von Beginn an unser Krisenstab, ein spezialisiertes Führungsteam mit gutem “Team Spirit”, das bereit ist, schnell fundierte Entscheidungen zu treffen und selbst mit “anzupacken”. Diese “Task Force” verantwortet auch, dass alle Mitarbeiter kontinuierlich und transparent über die aktuelle Situation informiert werden.

Wie steht es um die minimal-invasive Medizintechnik in Zeiten von Corona?

Der starke Rückgang von Facharztzuweisungen in Kliniken und die Verschiebung von elektiven Eingriffen im Lockdown, hat auch die minimal-invasive Medizintechnik vor große Herausforderungen gestellt. So waren beispielsweise im zweiten Quartal 2020 die Biopsien zur Darmkrebsvorsorge regional bis zu 70 Prozent rückläufig. Wir gehen davon aus, dass sich ein Normalbetrieb frühestens ab dem zweiten Halbjahr einstellen wird. Der Rückgang der elektiven Eingriffe ist ein vorübergehendes Phänomen. Es hat sich sogar in 2020 gezeigt, dass unser Produktportfolio in der Medi-Globe Group gegen die Auswirkung der eingeschränkten elektiven Eingriffe weitestgehend resilient ist. Unsere Produkte werden auch in Pandemiezeiten stark nachgefragt.

Was hat die Medi-Globe Group in der Pandemie-Zeit gelernt? Was werden Sie auf dieser Basis zukünftig anders machen?

Unsere Produkte sind erklärungsbedürftig. Deshalb haben wir in der Vergangenheit intensiv auf praktische Anwenderschulungen vor Ort in Kliniken gesetzt. Diese wird es auch in Zukunft geben müssen, nur werden sie durch intelligente digitale Lernformate und Kommunikationskanäle komplementiert werden müssen. Ich bin überzeugt, dass sich die Anforderungen an den Vertrieb nachhaltig und fundamental ändern werden und wir unsere Mitarbeiter durch “Upskilling” für diese neuen Herausforderungen wappnen müssen. Denn Technologie ist nur so stark, wie die Menschen dahinter. Zunehmend wichtiger werden auch Spezialisierung “category leadership” und Innovationskraft unserer Marken. Dafür werden wir neue digitale Plattformen und Services für unsere Kunden bereitstellen. Die Krise hat auch gezeigt, welche alternativen Arbeitsweisen möglich sind: eine Arbeitswelt, die vorwiegend auch remote funktionieren kann, wenn sie gut strukturiert ist. Das Ziel: neue Prozesse, agile Methoden und eine vertrauensgeprägte Unternehmenskultur.

Welches Erlebnis hat Sie in der Pandemie persönlich am meisten berührt?

Ich habe sehr enge Kontakte nach Mittelamerika, wo wir auch soziale Projekte unterstützen. Beide Eltern unseres Ansprechpartners vor Ort, den meine Frau noch Anfang März besuchte, waren Ärzte. Sie sind innerhalb der ersten Corona-Welle leider verstorben. Es standen keine Intensivbetten mehr zur Verfügung.

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