Grass und Co.: “Politische Feigheit” vor EU-Afrika-Gipfel

Die Staatschefs, die am Wochenende in Portugal zusammenkommen, verschlössen die Augen vor „zwei der schlimmsten humanitären Krisen der Welt“, heißt es in Bezug auf die Darfur-Krise und den Konflikt um Simbabwes Staatschef Robert Mugabe in einem offenen Brief, der am Dienstag in der britischen „Times“ und anderen Tageszeitungen erschien.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören außer Literaturnobelpreisträger Grass unter anderem der Philosoph Jürgen Habermas, der tschechische Friedensnobelpreisträger Vaclav Havel, sowie zwei  Literaturnobelpreisträger aus Afrika: der Nigerianer Wole Soyinka und der Südafrikaner John M. Coetzee. Die Schriftsteller argumentieren, es sei unmöglich, eine neue Ära der Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa zu eröffnen, wenn die Krise in der sudanesischen Region Darfur und die Unterdrückung in Simbabwe ignoriert würden.

„Warum sollten wir auf die Mächtigen hören, wenn die Mächtigen taub gegenüber den Schreien der Geplagten sind?“, heißt es in dem Brief weiter. Millionen von Afrikanern und Europäern erwarteten, dass Simbabwe und Darfur ganz oben auf der Tagesordnung des Gipfels stehen. „Es ist noch nicht zu spät“, schreiben die Autoren zum Schluss ihres Aufrufs.

Spanien schloss sich der Forderung Großbritanniens an, dass Mugabe nicht an dem Treffen in Lissabon teilnehmen solle. Es sei wichtig, die Themen eingehend zu diskutieren, und die Anwesenheit des umstrittenen Staatschefs dürfe nicht die Schlagzeilen bestimmen, sagte Außenminister Miguel Angel Moratinos. Der britische Premierminister Gordon Brown hatte seine Teilnahme aus Protest gegen das Kommen Mugabes abgesagt.

Dieser kritisierte Londons Haltung am Dienstag erneut und dankte den europäischen und afrikanischen Ländern für die Einladung zum Gipfeltreffen und die damit zum Ausdruck gebrachte „Unterstützung“. Der 83-jährige Mugabe steht wegen der Enteignung weißer Farmer, des wirtschaftlichen Niedergangs seines Landes und der Unterdrückung der Opposition in der Kritik.