Der Geophysiker Birger Lühr erklärte gegenüber dpa: «Durch die Eruption des Vulkans bei El Hierro kann man für Fuerteventura, Gran Canaria und die anderen touristischen Hauptinseln eher Entwarnung geben», sagte der Forscher des Geoforschungszentrums (GFZ) Potsdam.

Durch den Magmaaustritt in der Nähe von El Hierro habe der gewaltige Druck im Erdinneren bereits ein Ventil gefunden. «Dadurch werden Eruptionen auf den Nachbarinseln unwahrscheinlich – auch wenn sie alle selbst Vulkane sind, die seit einigen Millionen Jahren aus der Wasseroberfläche ragen», sagte Lühr. 90 Prozent der Vulkane in den Ozeanen befänden sich unter der Wasseroberfläche und seien gar nicht sichtbar.

Die Behörden auf El Hierro hatten am Dienstag als Warnung vor einem möglichen Vulkanausbruch die höchste Alarmstufe Rot für die Ortschaft La Restinga ausgerufen. Die Einwohner wurden in Sicherheit gebracht, weil es Anzeichen für einen neuen Magma-Austritt gab. Zu einem ersten Austritt war es am Montag rund fünf Kilometer südlich der Insel in etwa 900 Metern Tiefe gekommen. Seit Juli gibt es in der Region eine rege Erdbeben-Aktivität, das heftigste hatte am vergangenen Samstag eine Stärke von 4,3.

Laut Geophysiker Lühr handelt es sich um vulkanische Beben, die in Folge der unter viel Druck aufsteigenden Gas- und Magmaströme in vielen Kilometern Tiefe entstehen. «Bei diesen Bewegungen reißt das Gestein, wenn Gas und Magma sich ihren Weg nach oben bahnen», sagte Lühr. Daher lasse sich momentan zusätzlich ein permanentes Erschütterungssignal registrieren, vergleichbar mit den «Knurrgeräuschen» in Warmwasser-Heizungsanlagen.

Überhaupt sei die Erde permanent in Bewegung und Vulkanausbrüche erdgeschichtlich alltäglich – «nur wir Menschen nehmen das in unserer zeitlich begrenzten Wahrnehmung als besondere und ungewöhnliche Ereignisse wahr», ergänzte Lühr. Den letzten Vulkanausbruch auf den Kanaren gab es nach Angaben des Geophysikers 1971 auf La Palma.