Gin in und aus Spanien – 4 Gins auf dem Prüfstand

Gin & Tonic ist ein Klassiker, der heute in vielen verschiedenen Varianten serviert wird. Bildquelle: YARUNIV Studio – 669523459 / Shutterstock.com

Momentan ist er quasi überall, der Gin. Egal ob klassischer London Dry Gin oder ausgefallener Premium Gin, die Welt scheint nicht genug zu bekommen von dem Wacholderschnaps. Immer mehr Brennereien versuchen sich an einer gelungenen Gin-Komposition und gefühlt kommt jeden Tag mindestens ein neuer Gin auf den Tisch. Kein Wunder, dass in Spanien als Genussland ebenfalls hochwertiger Gin produziert wird. Selbstverständlich wird der heimische Gin auch gerne verkostet, vor allem pur oder als Gin & Tonic. Aber auch für außerhalb Spaniens produzierten Gin sind die Einwohner der iberischen Halbinsel zu haben. Dieser Artikel stellt vier ausgewählte Gins vor.

Gin Mare – Der wohl bekannteste Gin Spaniens

Der Gin Mare hat es inzwischen zu hoher Bekanntheit und Beliebtheit geschafft. Der Gin wird in einem kleinen Fischerdorf in Katalonien produziert, südlich von Barcelona. Die Hersteller versuchen im Gin Mare die mediterrane Kultur einzufangen. Das ist nicht nur am Geschmack, sondern auch am Namen und dem Flaschendesign zu erkennen. Mare bedeutet übersetzte „Meer“, dieses spielt für Südländer, die an der Küste leben, natürlich eine große Rolle. Die Flasche ist in Blautönen gehalten, mit einem weißen Aufdruck. Farben die wieder einen Bezug zum Meer herstellen, aber auch zum klaren blauen Himmel über Spanien. Außerdem sollen sie die Leichtigkeit des spanischen Lebens zum Ausdruck bringen. Der große Verschluss der Flasche kann direkt zum Abmessen des Gins benutzt werden, wenn man zum Beispiel einen Gin Tonic mixt.

Mediterrane Botanicals bringen Spanien auf den Gaumen

Der Gin Mare ist passend zu seiner Herkunft ganz von mediterranen Botanicals geprägt, er enthält:

  • Arbequina Oliven aus Katalonien
  • Rosmarin aus der Türkei
  • Basilikum aus Italien
  • Thymian aus Griechenland
  • außerdem Zitronen, Orangen, Koriander und Kardamom

Selbstverständlich ist im Gin Mare auch Wacholder enthalten, wie es für jeden Gin notwendig ist. Alle Botanicals werden einzeln mazeriert, also in Alkohol eingelegt, um die Inhaltsstoffe zu lösen. Dabei ist die Mazeration mit 36 Stunden auffällig lange. Die Zitrusfrüchte werden sogar ein ganzes Jahr mazeriert. Anschließend werden die Botanicals, ebenfalls jedes einzeln für sich, destilliert. Erst dann werden sie vermischt, der Fachmann spricht hier vom blending und erneut destilliert.

Das Gin Mare Flaschendesign ist mediterran gehalten

Der Gin Mare ist wohl einer der weltweit bekanntesten Gins aus Spanien. Bildquelle: Eyesonmilan – 1178735950 / Shutterstock.com

Wie schmeckt der Gin Mare?

Der für Gin typische Wacholder bleibt sowohl in der Nase als auch am Gaumen im Hintergrund. Über den Geruch werden die mediterranen Kräuter und vor allem der Rosmarin wahrgenommen. Im Geschmack verbindet sich die komplexe Komposition zu einem süßlichen Aroma, das die unterschiedlichen Botanicals in ein rundes Geschmackerlebnis verwandelt. Im Abgang bleiben vor allem Thymian und Rosmarin.

Als Gin & Tonic schmeckt der Gin Mare am besten mit dem 1724-Tonic. Das ist wenig verwunderlich, da dieses Tonic von den Gin Mare Herstellern kommt. Nachdem diese vergeblich das ideale Tonic Water gesucht haben, entschieden sie sich für eine Eigenkreation. Das 1724-Tonic ist nicht so bitter wie die meisten anderen Tonic Waters und bringt einen Hauch von Mandarine mit. Auch gut kombinierbar zum Gin Mare sind der Klassiker Thomas Henry Tonic Water und das Indian Tonic Water von Fever Tree.

Mit dem Sabatini Gin toskanischen Flair erleben

Wer sich jetzt fragt, was Wacholder mit der Toskana zu tun hat, dem sei gesagt, dass in der Toskana qualitativ hochwertige Wacholderbeeren geerntet werden. In vielen Kreisen werden die toskanischen Wacholderbeeren sogar als die besten der Welt gehandelt. Wo sollte man also einen Gin produzieren, wenn nicht in der italienischen Toskana. Das hat sich auch die Familie Sabatini gedacht, nach denen der Gin benannt ist. Die neun Botanicals, die für den Sabatini Gin verwendet werden, baut die Familie zum Teil selbst an. Einige stammen auch aus der Umgebung. Neben den Wacholderbeeren kommen folgende Botanicals in den Gin:

  • Koriander
  • Iris
  • Wilder Fenchel
  • Lavendel
  • Olivenblätter
  • Thymian
  • Zitronenverbene
  • Salbei

Kreiert hat die Sabatini-Familie den Gin gemeinsam mit einen Londoner Traditionshersteller von Gin. Dieser destilliert den Sabatini Gin in London, was ihn zu einem London Dry Gin macht.

Toskana sehen, riechen und schmecken

Der Sabatini Gin überzeugt viele schon durch das schöne toskanische Design der Flasche. Im Glas der Flasche sind Zypressen auf einem Hügel abgebildet, ein typisches Landschaftsbild der Toskana. Schon beim Geruch hält der Gin, was das Design verspricht. Ein Duft von frischen Kräutern versetzt einen unmittelbar ins südliche Europa. Im Geschmack zeichnet der Sabatini Gin sich durch weiche Aromen aus und besticht mit einer leichten Süße, die vom Lavendel herrührt. Im Abgang kann man den Gin fast schon als fruchtig beschreiben, das macht ihn auch pur zu einem angenehmen und schmackhaften Trink-Erlebnis.

Zypressen sind typisch für das Landschaftsbild der Toskana

In der Toskana gibt es nicht nur Zypressen, sondern auch die besten Wacholderbeeren der Welt. Bildquelle: Delpixel – 1116725540 / Shutterstock.com

Passendes Tonic um den Gin zu mixen, sind sowohl das Mediterranean Tonic Water als auch das Indian Tonic Water von Fever Tree. Selbstverständlich kann auch das klassische Thomas Henry Tonic verwendet werden. Besonders lecker und auch hübsch anzusehen wird der Gin & Tonic mit einer Limettenscheibe oder einem Rosmarinzweig.

Gunroom London Dry Gin – Gin-Genuss à la British Navy

Der englische Gunroom London Dry Gin wird von der gleichnamigen Firma Gunroom gebrannt. Die Gin-Manufaktur ist auf traditionelle Spirituosen spezialisiert, die früher untrennbar mit der British Navy verbunden waren. Neben Gin produzieren sie deswegen auch Rum. Für die Soldaten auf See wurde früher ein extra starker Gin mit hohem Alkoholgehalt gebrannt, auch dieser Tradition folgt Gunroom. Als London Dry Gin unterliegt die Herstellung des Gunroom-Gins strengen Regeln, so entsteht ein Produkt von hoher Qualität.

Im Gegensatz zum Gin Mare werden die Botanicals für den Gunroom London Dry Gin alle auf einmal zugegeben und destilliert. Bei einem London Dry dürfen ausschließlich natürliche Zutaten und Ethylalkohol mit landwirtschaftlichem Ursprung verwendet werden. Zu den verwendeten Botanicals gehören:

  • Wacholderbeeren
  • Koriander
  • Iriswurzel und Angelikawurzel
  • Zitronenschale und Orangenschale
  • Lakritze
  • Zimtkassie und Zimt
  • Mandeln
  • Muskatnuss
  • Bohnenkraut

Gebrannt wird der Gin in einer Kupferbrennblase. Anschließend lagert er für etwa 45 bis 60 Tage in alten Whiskyfässern. Grund dafür dürfte unter anderem die ehemalige Tradition sein, Gin in Whiskyfässern aus London raus in die Welt zu schippern. Bei der Lagerung in den Whiskyfässern geht es daher nicht wie beim Whisky um eine Reifelagerung. Vielmehr hilft die Zeit im Whiskeyfass den Geschmack des Gins abzurunden. Die Fässer verleihen dem Gunroom London dry Gin außerdem Vanillearomen, die das Geschmackserlebnis des Gins vervollständigen. Übrigens früher tranken Seeleute der British Navy ihren Gin in einem sogenannten „Gunroom“.

Ferdinand’s Saar Dry Gin aus Deutschland

Dieser Gin aus dem Saarland ist nun wirklich etwas Besonderes. Zu der Basis von aus Getreide destilliertem Rohbrand gesellen sich zwischen ein und fünf Prozent Riesling. Der Name wurde an diese Zutat angelehnt. „Saar“ deutet nämlich nicht nur auf das Saarland, sondern auch auf das Saar-Ruwer-Gebiet hin, ein bevorzugtes Anbaugebiet für Riesling. Auch beim Flaschendesign sind die Hersteller dem Rieslingthema treu geblieben. Die schwere schwarze Flasche erinnert an den Stil alter Weinflaschen, außerdem ist der Gin mit einem Korken verschlossen. Der Korken selbst ist übrigens ein schönes Detail, da das Logo der Destillerie aufgedruckt ist.

Der Riesling spiegelt sich in vielen Aspekten des Ferninand’s Gin wider

Die Riesling-Traube spiegelt sich sowohl im Geschmack des Gins als auch im Flaschendesign und dem Namen des Ferdinand’s Gins wider. Bildquelle: images72 – 1149953225 / Shutterstock.com

Herstellung und Geschmacksprofil des Ferdinand’s Gin

Neben Riesling und Rohbrand spielen natürlich auch beim Ferdinand’s die Botanicals eine entscheidende Rolle. Die komplette Zutatenliste scheint ein Geheimnis zu sein, einige der Botanicals sind allerdings wohl bekannt. Neben Wacholder, Quitten, Schlehe und Hagebutte spielt vor allem der beigefügte Lavendel eine große Rolle für den Geschmack. Der ist nämlich eher floral und für einen Gin recht mild, selbst im Abgang ist keine Spur von Alkohol zu schmecken. Der Ferdinand’s Gin punktet mit diesem ausgeklügelten Geschmacksprofil, durch das der Gin auch ideal zum pur trinken geeignet ist.

Für einen Gin Tonic eignen sich mehrere Tonics, wie zum Beispiel der eher zurückhaltende Klassiker von Thomas Henry. Aber auch das Mediterranean Tonic Water oder das Indian Tonic Water von Fever Tree sind geeignete Kombinationsmöglichkeiten.

Spanische Gin-Kultur erleben

Die Popularität des Gin Tonics in Spanien ist nicht zu leugnen. Der Longdrink der klassischerweise „im Glas gebaut“ wird (built in glass), ist bei den Spaniern in vielen Varianten beliebt. Die südländische Gin-Kultur unterscheidet sich übrigens maßgeblich von der britischen. Während in England auf Minimalismus gesetzt wird, sind die Spanier für üppige Garnituren zu haben. Neben Kräutern, Zitrone oder Gurke darf es gerne auch mal eine „Infusion“ sein, bedeutet so viel wie Gin mit Teebeutel. Die außergewöhnlichen Gin-Varianten gibt es inzwischen nicht mehr nur in der modernen Hauptstadt Madrid, sondern in ganz Spanien.

Gin Tonic kann auch mit Orangen und rotem Pfeffer getrunken werden

Beim Mixen eines Gin Tonics kann nach Lust und Laune variiert werden. So entstehen immer wieder neue tolle Kreationen. Bildquelle: Denis Sonoda – 1192639210 / Shutterstock.com

Ein erfahrener Barkeeper aus Mallorca, der gerne und viel mit Gin experimentiert, hat sogar schon einmal einen Gin & Tonic mit Languste kreiert. Genau genommen mit den Fühlern des Tieres, die sollen nämlich den salzigen Meergeschmack in einen mediterranen Gin mit einbringen. Das Ergebnis ist wohl eine wahre Geschmacksexplosion. Der eigenen Fantasie sind beim Mixen eines Gin Tonics also keine Grenzen gesetzt, von klassisch über Gurkenscheibchen und Rosmarin bis hin zu völlig ausgefallen. Dabei können die Kreationen zum Beispiel auch an die Jahreszeit angepasst werden. Ein Gin & Tonic mit Orangenscheiben und Nelke ist eine schöne Alternative als Aperitif beim Weihnachtsfest. Jeder kann also seinen Gin Tonic ganz nach dem eigenen Geschmack genießen.

Bildquellen:

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