“Garzón geht zu weit!” Exhumierungen werden gestoppt

Die vom Richter Baltasar Garzón (Bild) angeordnete Öffnung von Massengräbern, darunter auch das Grab des spanischen Dichters Federico García Lorca, wird vorerst gestoppt. 

Zunächst müsse die Justiz klären, ob die Ermittlungen zu "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" gerechtfertigt seien, beschloss ein Richterkollegium am Madrider Sondergerichtshof Audiencia Nacional am Freitag mit zehn gegen fünf Stimmen.

Garzón hatte im Oktober erstmals Ermittlungen zur Aufarbeitung der während des Bürgerkriegs (1936-39) und der darauffolgenden Franco-Diktatur begangenen Verbrechen aufgenommen, was in Spanien eine heftige Kontroverse auslöste. 

Der Richter verfügte die Öffnung von Massengräbern an 19 Orten, darunter auch das, in dem der Dichter Federico García Lorca liegt. Er war 1936 von Anhängern des nationalistischen Generals und späteren Diktators Francisco Franco nahe der südspanischen Stadt Granada erschossen worden.

Garzón reagierte mit den Ermittlungen auf die Forderungen Hinterbliebener, die seit Jahren eine Aufklärung über das Schicksal der während der Diktatur (1939-1975) Verschwundenen verlangen. 

Bislang hatte ein 1977 verabschiedetes Amnestiegesetz Ermittlungen verhindert. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen Garzóns Entscheidung Berufung eingelegt. Sie berief sich auf das zwei Jahre nach Francos Tod verabschiedete Amnestiegesetz sowie auf Bestimmungen des Völkerrechts.

Weiter lesen:

NEWS: Massengrab mit Federico García Lorca wird geöffnet 

NEWS: Staatsanwaltschaft: Garzón ist für Franco-Opfer nicht zuständig 

NEWS: Kein "Spektakel": Federico García Lorca wird exhumiert

NEWS: Richter Garzón forscht nach Opfern der Franco-Diktatur

NEWS: Hitler in Spanien! War der Selbstmord nur gespielt?

MAGAZIN: Hitler über Franco: "Lieber lasse ich mir Zähne ziehen, als noch einmal mit ihm zu verhandeln"