Gar nicht gruselig – präparierte Leichen kommen nach Spanien

Insgesamt 17 Körper und über 200 Organe sind ab Freitag in Barcelona im Museu Maritim zu bewundern, das erste Mal überhaupt, dass der Tod in dieser Form in Spanien präsentiert wird. Die Deutschen sind solche Ganzkörperplastinate dank Gunther von Hagens ja bereits gewohnt, die Spanier hingegen sind Neulinge auf diesem Gebiet und vollkommen aus dem Häuschen. Ist das nun Kunst, oder Wissenschaft, oder vielleicht auch der Kick am Tabuthema Tod? Den Kick schaffte vielleicht eher noch der deutsche Mediziner von Hagens, indem er besonders krasse Szenerien nachgestellt hat, wie beispielsweise eine Hochschwangere mit aufgeschlitztem Bauch. “Bodies” soll laut Veranstalter “pädagogisch wertvoll” und eher nüchtern und anschaulich sein. Jeder Muskel, jede Vene, jede Faser sind klar und deutlich zu erkennbar, der Körper offenbart sich den Besuchern wie ein offenes Buch. 

Bei den Spendern handelt es sich ausschlieβlich um Chinesen, was man diversen Plastinaten aufgrund der angedeuteten Gesichtszüge auch ansehen kann. Häufig schon war vermutet worden, dass bevorzugt Chinesen eingesetzt werden, weil es sich um hingerichtete Sträflinge handelt. Professor Roy Glover von der Universität Michigan betont jedoch, dass es sich durchweg um Spender handele, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Der eigentliche Grund sei, dass in China die besten Anatomiekünstler der Welt sitzen, versichert Glover. Und tatsächlich liefert die Medizinische Hochschule in Dalian bereits seit Jahrzehnten Körper an Hochschulen, Krankenhäuser und Universitäten auf der ganzen Welt, die für wissenschaftliche Untersuchungen verwendet werden. Dalian ist sozusagen der Umschlagplatz Nr. 1 für gespendete Körper. 

Und das Geschäft mit dem Tod blüht. Hunderte von Ausstellungen à la “Körperwelten” finden mittlerweile weltweit statt, die meisten Körper stammen aus China. Die Menschen strömen in Scharen in die Museen, selbst Kinder dürfen sich einmal ganz nah angucken, wie ein menschliches Herz oder eine pechschwarze Raucherlunge (Bild) aussieht. Alles allerdings so perfekt und anschaulich präpariert, dass auch der kleinste Ansatz von Abschreckung oder gar Ekel im Keim erstickt wird – die Neugierde überwiegt. Bleibt abzuwarten, wie die Spanier diese spektakuläre Ausstellung aufnehmen. Und was die katholische Kirche in Spanien dazu sagt.

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