Galán verhaftet: Vom Stierkampf-Wunder zum Bordell-König

Der Junge aus der südspanischen Sherry-Metropole Jerez de la Frontera war erst zehn Jahre alt, und doch hatte er schon als Torero in "La Monumental" in Mexiko-Stadt triumphiert, der größten Stierkampfarena der Welt. Dies war im Jahr 1982.

Nun sorgte der Spanier erneut für Schlagzeilen. Er wurde festgenommen unter dem Verdacht der sexuellen Ausbeutung. Galán betrieb zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester sechs Bordelle in Südspanien, in denen mehr als 150 Prostituierte ihre Dienste verrichteten.

Das einstige Wunderkind des Stierkampfs war in letzter Zeit praktisch schon in Vergessenheit geraten. Denn als Erwachsener konnte Galán nie mehr an die Erfolge anknüpfen, die er im Kindesalter gefeiert hatte.

Zu seinem achten Geburtstag hatte er sich von seinem Vater ein großes Stierkämpfertuch gewünscht. Mit neun Jahren gab er sein Debüt in einer Arena in der Nähe seiner Heimatstadt. Da es in Spanien Kinder verboten ist, in offiziellen Kämpfen als Torero aufzutreten, reisten Galán und sein Vater, der die Karriere des Sohnes als Manager förderte, nach Mexiko. Dort lockte der Kleine vor 28 Jahren 40.000 Fans in die Arena.

Einige Jahre später setzte er in Spanien seinen Triumphzug fort. Mit 19 Jahren legte er die Reifeprüfung als Matador ab.

Nachdem er die höchste Stufe im Stierkampf erklommen hatte, ging es mit seiner Karriere bergab. Der einst gefeierte Kinder-Torero konnte als gestandener Mann die Zuschauer immer weniger begeistern. Folglich erhielt er kaum noch Engagements, so dass seine Stierkampf-Karriere schließlich im Sande verlief.

Seine Familie besann sich daraufhin auf eine andere Branche. Sie baute eine Kette von "Hotel-Clubs" auf, in denen Prostituierte ihre Dienste anboten. "Bei uns können Körper und Geist in einer Atmosphäre der Diskretion, der Exklusivität und der Eleganz entspannen", warb die Bordell-Kette auf ihrer Internetseite.

Bei einer Razzia nahm die Polizei nun neben dem Ex-Torero 14 weitere Verdächtige fest. In einem der Etablissements entdeckten die Beamten unter einem Whirlpool eine halbe Million Euro.

Die Scheine waren mit einer Angelschnur zu Bündeln gebunden und in Plastikhüllen verpackt. Die Ermittler legen dem einstigen Stierkämpfer und dessen Familie zur Last, die Liebesdienerinnen sexuell ausgebeutet, zu Überstunden und zu Abmagerungskuren gezwungen zu haben. (Hubert Kahl, dpa, SAZ)

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Foto: LesMode (Flickr)