Fußball schlägt Stierkampf: Las Ventas zum Gähnen

Engagements, und wenn auch nur als „Triunfador de Las Ventas“.

Umso enttäuschender, wenn der erste Stierkampf-Tag in die Hose geht – wie am Palmsonntag geschehen, als zum Auftakt der Saison alle sechs Stiere dem Ereignis alles andere als würdig waren – und das ausgerechnet am Tag des Fußballderbys zwischen Real und Atlético Madrid, als ohnehin die halbe Welt auf Spaniens Hauptstadt schaute.

Denn das Geheimnis eines guten Stierkampfs ist zu gleichen Teilen der Matador wie der Stier. Ist er weder angriffslustig noch ausdauernd noch diszipliniert noch tapfer kann der Matador so gut sein wie er will – der Kampf bleibt langweilig.

So hatten am Sonntag Curro Díaz, Leandro und Morenito de Aranda das Pech, mitten in Las Ventas dumm auszusehen, obwohl sie eigens für die lange erwartete Auftakt-Corrida ausgesucht worden waren. Sie hatten in den Jahren zuvor in Madrid Erfolge gefeiert, also ihre Stiere nicht nur getötet, sondern zuvor als edle und tapfere Tiere präsentiert.

Der Nachmittag in Las Ventas war am Ende wegen der Stiere aus dem Zuchtbetrieb San Miguel (nicht zu verwechseln mit der Biersorte) so verdorben, dass die Zeitung „El Mundo“ am Montag spekulierte, ob die Stiere wegen des kalten Winters und des vielen Hochwassers in Andalusien noch nicht richtig aufgetaut waren.

Fakt ist: 7.000 Zuschauer in Las Ventas sahen das Spekakel mit Grausen, die rund 2.000 Stierkampf-Gegner, die am Morgen in Madrid für die Abschaffung der Corrida gebrüllt hatten, hätten zuhause bleiben können. Denn wer solche Stiere in die Arena schickt, bringt den Stierkampf langsam aber sicher ganz alleine zum Verschwinden.

Cristiano Ronaldo und Real Madrid machten später am Abend den Matadoren vor, wie es geht. Sie führten ihren ewigen Rivalen Atlético in der zweiten Halbzeit regelrecht vor – fast wie bei einem richtigen Stierkampf.

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