Felipe VI: Juan Carlos als Kronprinz in Kolumbien! “Leonor ist noch zu jung”

Dort vertritt er Spanien beim Amtsantritt von Präsident Juan Manuel Santos. Bisher war es die Aufgabe des Thronfolgers, in Lateinamerika an den Amtseinführungen von Staatspräsidenten teilzunehmen. Felipe hatte als Kronprinz rund 60 Zeremonien dieser Art in den früheren spanischen Kolonien beigewohnt.

Da die jetzige Thronfolgerin Leonor mit ihren acht Jahren für solche Aufgaben noch nicht infrage kommt, sprang in Kolumbien, wo Santos am Donnerstag seine zweite Amtszeit antrat, der abgedankte König Juan Carlos ein. Die Reise nach Bogotá war der erste offizielle Auslandseinsatz des 76-Jährigen seit dem Thronwechsel im Juni. «Wenn man sieht, wie Juan Carlos in Kolumbien den Felipe gibt, während Felipe im Marivent-Palast den Juan Carlos macht, versteht man die Abdankung noch weniger», meinte der Kolumnist Pedro J. Ramírez.

Juan Carlos ist seit dem Thronverzicht zugunsten seines Sohnes ein König ohne Krone. Er darf den Titel «König» behalten, aber er ist kein Staatsoberhaupt mehr. Einen «Monarchen im Ruhestand» hat es in der jüngeren Geschichte Spaniens nicht gegeben. Auch die Verfassung sieht dazu nichts vor. Juan Carlos wird erst noch herausfinden müssen, worin seine neue Rolle und seine neuen Aufgaben bestehen werden. «Ich tue das, was der König (Felipe VI.) mir aufträgt», sagte der 76-Jährige.

Das Königshaus warnte allerdings davor, in der Reise von Juan Carlos nach Kolumbien einen Präzedenzfall für künftige Einsätze zu sehen. Erst im Laufe der Zeit werde sich zeigen, welche Art von Aktivitäten der Ex-Monarch übernehmen werde, hieß es in Palastkreisen. Dabei dürfte auch die angeschlagene Gesundheit des 76-Jährigen eine Rolle spielen. Juan Carlos wirkte in Bogotá locker und gut gelaunt, stützte sich beim Gehen aber noch auf einen Stock und benötigte beim Verlassen des Flugzeuges die Hilfe eines Assistenten.

Davor war er am 19. Juni, dem Tag des Amtsantritts von König Felipe VI., zuletzt öffentlich in Erscheinung getreten. «Es ist Zeit, dass wir gehen», sagte er auf dem Balkon des Königspalast zu Königin Sofía (75). Seither lebte er zurückgezogen im Zarzuela-Palast am Stadtrand von Madrid. Dort konzentrierte er sich auf die Rehabilitation nach der Hüftoperation Ende vorigen Jahres. Die Entscheidung zur Abdankung bereut er nicht. «Ich bin sehr zufrieden und sehr froh darüber, wie die Dinge sich entwickeln», zitierte die Zeitung «El Mundo» den Ex-Monarchen.