Fall Maddie: “Der Kreis schließt sich”

Wenn man still beobachtet, fällt auf, das die Eltern und Freunde immer hektischer mit Meldungen bezüglich der Entführungsteorie reagieren. Steht eine Meldung in der Presse die den Eltern eine Schuld zuweist, husch – am anderen Tag – oder manchmal noch am selbigen – hat wieder irgendwer Maddie irgendwo gesichtet. Mir kommt so ein Gedanke … Gerade das veröffentliche Zeitfenster der Polizei lässt eigentlich den Eltern und Freunden nicht mehr viel Spielraum. Trotz allem gilt in Europa „Im Zweifel für den Angeklagten“ – das haben wir zu respektieren.“

Was ist am Abend des 3. Mai in Praia da Luz wirklich passiert?

Das portugiesische Fernsehen hat die Fakten im Fall Maddie für einen TV-Beitrag neu sortiert. Die Abfolge der Ereignisse basiert auf den Schilderungen von Maddies Eltern, ihren Freunden sowie Zeugenaussagen.

Es ist die Version, die auch die Polizei mittlerweile als schlüssig erachtet. Danach hätte es mehrere Gelegenheiten gegeben, Maddie verschwinden zu lassen – für einen Entführer, vor allem aber für die Eltern oder ihre Freunde.  Hier die Ereignisse:
Um 18.30 spielt Maddies Vater Gerry McCann (39) Tennis auf der Ferienanlage in Praia da Luz, Mutter Kate (39) ist alleine mit Maddie und ihren zwei Jahre alten Geschwistern Sean und Amelie im Apartment. Einer der Freunde der McCanns, David Payne, sieht die Familie zehn Minuten später im Zimmer friedlich spielen, als er im Apartment der McCanns vorbeischaut.

Problem Jane Tanner: Sie sieht den Entführer – oder will ihn gesehen haben

Als Gerry um 19 Uhr vom Tennisspielen zurückkommt, badet er zusammen mit seiner Frau die Kinder. Um 19 Uhr 30 legen sie die Kinder schlafen. Die McCanns bleiben noch eine Stunde lang in ihrem Zimmer, bevor sie ihre Freunde um 20 Uhr 30 wie üblich in der nahen Tapas-Bar treffen.

Um 21 Uhr 05 geht Gerry zum Apartment, um nach den Kindern zu sehen. Er bleibt fünf Minuten lang und verlässt das Zimmer um 21 Uhr 10. Dies bezeugt ein anderer Freund der McCanns, der Fernsehproduzent Jeremy Wilkins, den Gerry auf der Treppe des Apartments traf. Beide unterhalten sich kurz vor dem Haus – ganau da, wo der vermeintlich Entführer vermutlich das Haus betreten haben soll.

Um 21 Uhr 15 sieht Jane Tanner, eine Freundin der McCanns, wie ein unbekannter Mann ein Kind aus dem Apartment trägt. Sie sagt aber nichts, schlägt nicht Alarm – erst später fällt ihr ein, dass dies Maddies Entführer gewesen sein könnte. 

Wie kam der Entführer ins Haus hinein, wie wieder heraus?

Gerry sagt später aus, dass der Entführer vielleicht schon im Zimmer war, als er nach den Kindern sah, sich aber versteckt hielt. Möglicherweise flüchtete er aber auch durch das Fenster der Wohnung. Dies stand nach späteren Angaben von Kate McCann offen.

Das Problem: Jeremy Wilkins, der auch noch um 21 Uhr 15 vor dem Haus stand, sah weder Jane Tanner noch einen Mann, der mit einem Kind verschwand. Er sagt aber, dass es unmöglich gewesen wäre, Jane Tanner oder den möglichen Kidnapper zu übersehen.

Eine andere Sache, die der Polizei zu denken gibt: Gerry McCann sendet und empfängt zwischen 21 Uhr 30 und 11 Uhr 40 genau 14 SMS – die Polizei hält dies für verdächtig.

Matthew Oldfield schaut nach den Kindern – aber er schaut nicht wirklich

Denn genau um 21 Uhr 30 macht sich Matthew Oldfield, ein anderer Freund aus der Tapas Bar, auf den Weg, um nach den Kindern zu schauen. Er geht dabei zwar auch zum Apartment der McCanns, schaut aber nicht hinein. Von außen sieht er nur das Bett der Zwillinge, die friedlich schlafen – das Bett von Madeleine liegt in einer anderen, von außen nicht einsehbaren Ecke des Zimmers. Er kann also nicht wissen, ob Maddie zu diesem Zeitpunkt noch in ihrem Bett liegt.

Um 22 Uhr schließlich geht Kate McCann, Maddies Mutter, auf Kontrollgang. Sie merkt, dass Maddie verschwunden ist, und ruft laut Augenzeugen, darunter Kellnern der Tapas-Bar, über den Garten und Swimming-Pool zu der Tapas-Runde: „Sie haben Maddie entführt! Sie haben unsere kleine Tochter.“

Was ruft Kate wirklich? Und was tut die Gruppe vor dem Alarmieren der Polizei?

Kate sagt aus, sie habe das Zimmer dreimal durchsucht, bevor sie Alarm geschlagen habe. Dann habe sie gerufen: „Sie ist weg!“ Gerry und die anderen der Runde rennen zum Zimmer und helfen bei der Suche. Die Polizei alarmieren die aufgeregten Eltern erst um 22 Uhr 40, der erste Polizist erscheint sieben Minuten später. Bis zwei Uhr früh wird die Wohnung untersucht, zeitweise befinden sich 50 Menschen in dem Zimmer, die mögliche Spuren nachhaltig zerstören.

McCann-Sprecher Clarence Mitchell entdeckte einige Widersprüche in der Darstellung des Dokumentarfilms, wollte sich aber zu Details nicht äußern. Er sagte nur: „Kate und Gerry McCann haben mit dem Verschwinden ihrer Tochter nichts zu tun.“