ETA mordet wieder – Polizei sucht Verdächtige

Die beiden Beamten der Guardia Civil waren zusammen mit französischen Polizisten nahe der Küstenstadt Capbreton zur Aufklärung im Rahmen des Kampfes gegen die ETA im Einsatz gewesen, wie Frankreichs Innenministerin Michèle Alliot-Marie mitteilte. Drei mutmaßliche ETA-Mitglieder schossen auf dem Parkplatz eines Cafés auf die Beamten, wo diese eine Pause eingelegt hatten.

Der 24-jährige Raul C. starb durch einen Kopfschuss. Sein 23-jähriger Kollege Fernando T. wurde ebenfalls am Kopf getroffen. Alliot-Marie sagte, der „Mord“ könne die Folge einer „zufälligen Begegnung“ zwischen den spanischen Sicherheitskräften und den mutmaßlichen Rebellen – zwei Männern und einer Frau – gewesen sein. Nach der Tat, die sich gegen 09.30 Uhr im Badeort Capbreton am Atlantik rund 60 Kilometer von der spanischen Grenze entfernt ereignete, flüchteten die drei Angreifer in einem gestohlenen Fahrzeug Richtung Norden. Sie nahmen die Fahrerin des Autos als Geisel, ließen sie aber kurz darauf rund 15 Kilometer südlich von Bordeaux wieder frei. Die Suche nach den Verdächtigen dauerte nach Polizeiangaben am Sonntag an.

Der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero verurteilte die Tat und erklärte in Madrid, die ETA werde mit Gewalt niemals ihre Ziele erreichen. Vielmehr sei so deren „Niederlage unausweichlich“. Es war das erste Mal, dass ein Mitglied der Guardia Civil, der kasernierten Polizei in Spanien, bei einem Einsatz gegen die ETA in Frankreich getötet wurde. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sprach Zapatero in einem Telefonat sein Beileid aus und erklärte sein Bestreben, die „Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus

zu verdoppeln und die Zusammenarbeit mit Spanien und zwischen den Polizeieinheiten beider Länder noch weiter zu verstärken“.

An einer Trauerfeier für Raul C. im Hauptquartier der Guardia Civil in Madrid nahm am Sonntag die Staatspitze Spaniens teil. Die Feier wurde von König Juan Carlos geleitet, der von Kronprinz Felipe begleitet wurde. Auch

Regierungschef Zapatero sowie Oppositionschef Mariano Rajoy nahmen an der äußerst emotionalen Zeremonie teil, die live im spanischen Fernsehen übertragen wurde. Mehrere spanische Parteien sowie Gewerkschaften und

Arbeitgeber-Organisationen riefen für Dienstagabend in Madrid zu einer Demonstration gegen den Terrorismus auf.

In Folge der Schießerei von Capbreton kam es in der Nacht zum Sonntag im spanischen Baskenland zu mehreren gewalttätigen Zwischenfällen. Nach Angaben des baskischen Innenministers setzten drei maskierte Männer in dem Ort Getxo einen öffentlichen Bus in Brand. In Billabona wurden Container angezündet und Bankautomaten mit Molotow-Cocktails beworfen, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Spanischen Medienberichten zufolge nahm die Polizei am Sonntag 41 Mitglieder von Organisationen fest, die Verbindungen zur ETA haben sollen.

Die ETA versucht seit fast vier Jahrzehnten, mit Gewalt die Unabhängigkeit des Baskenlandes zu erzwingen. Im Juni hatte die Untergrundorganisation den von ihr im März 2006 einseitig ausgerufenen Waffenstillstand aufgekündigt. Der Südwesten Frankreichs dient der Organisation als Rückzugsgebiet.