Doris Dörrie glücklich in Mexiko: “Den Augenblick mit allen Sinnen aufnehmen!”

Die Regisseurin (‚Männer‘) verbrachte einige Zeit in Mexiko und war erstaunt über die Art und Weise der Mittelamerikaner, trotz Nöten und Entbehrungen immer fröhlich zu sein: „In Mexiko fiel es mir viel leichter, glücklich zu sein“, sagte die deutsche Künstlerin im Interview mit der Zeitschrift ‚Für Sie‘. In Deutschland hätten die Menschen eine andere Lebensauffassung: „Wenn man den Berliner fragt, wie es ihm geht, sagt er: ‚Muss ja.‘ Ich habe das den Mexikanern vorgemacht, und die haben sich königlich amüsiert. Sie fanden es komisch, so tief zu stapeln, obwohl alles super ist“, lächelte die Professorin.

„Das ist unsere deutsche Macke. Es hat wahrscheinlich damit zu tun, was schon die alten Griechen fürchteten: Die Götter könnten eifersüchtig werden und einem sofort einen Strich durch die Rechnung machen, wenn man zu zufrieden ist. Auf der anderen Seite muss man sagen: Sie ist auch saukomisch, diese Marotte“, lachte sie und stellte klar, warum die Mexikaner das Leben wohl etwas leichter nehmen müssten: „Weil die Verhältnisse schwieriger sind und das tägliche Leben bedrohter. Man regt sich nicht über Kleinigkeiten auf.“

Und so hat sie auch einen Tipp für ihre Mitmenschen parat, wie man im Alltag glücklicher sein kann: „Es ist immer dieselbe Technik, und sie ist so alt wie die Menschheit: Wir müssen lernen, uns in dem Augenblick aufzuhalten, in dem wir gerade sind, und ihn mit all unseren Sinnen aufzunehmen – ohne daran zu denken, was nachher noch gekocht werden muss oder dass die Steuererklärung fällig ist“, so die Kult-Regisseurin Doris Dörrie.