Während sich Deutschland und Österreich beim Treffen der EU-Agrarminister am Montag in Brüssel für strengere Auflagen beim Tierschutz einsetzten und die konventionelle Käfighaltung bereits verboten haben, beharren einige osteuropäische Staaten auf längeren Fristen.

So will Polen das Verbot, das laut EU-Richtlinie ab Anfang 2012 umgesetzt sein muss, um fünf Jahre verschieben. Die meisten EU-Länder lehnen dies jedoch ab.

"Die anderen Mitgliedsstaaten müssen jetzt folgen, und zwar ausnahmslos", forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner: "Alles andere wäre eine Rolle rückwärts im europäischen Tierschutz."

Der Deutsche Bauernverband sieht seine Betriebe durch die schleppende Umsetzung der EU-Vorgaben in Europa benachteiligt. Die Minister berieten in Brüssel über das Thema, konkrete Beschlüsse wurden nicht gefasst.

Nach Angaben des Bauernverbands haben die Landwirte in Deutschland durch den einseitigen Käfig-Stopp einen Marktanteil von 20 Prozent eingebüßt. Das entspreche pro Jahr einem Umsatzverlust von mehr als 100 Millionen Euro.

Fast jedes zweite Ei werde in Suppen, Kuchen, Fertiggerichten und Pizzen verbraucht. Diese Billig-Eier kämen jedoch aus Ländern wie Polen, Spanien, Brasilien oder Thailand, "wo Käfige acht Etagen übereinander gestapelt sind".

Im Regal müssen die Eier eindeutig gekennzeichnet sein. Der Stempel gibt an, aus welchem Haltungssystem die Hühner stammen. Die Zahl Null steht für ökologische Erzeugung, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfighaltung.

Seit Anfang 2010 ist die konventionelle Käfighaltung in Deutschland untersagt, in der gesamten EU soll dieses Verbot erst von 2012 an gelten. Bei dieser Haltung hat jede Legehenne 550 Quadratzentimeter Platz – das ist weniger als eine DIN-A-4-Seite. Demnächst sind größere Käfige mit Nest, Einstreu und Sitzstange vorgeschrieben. In der EU gibt es rund 350 Millionen Legehennen.

Aigner geht noch weiter und will den Neubau von Hühnerkäfigen komplett verbieten und nur noch Boden-, Freiland- und Ökohaltung zulassen. Die Ministerin setzt sich in Brüssel auch für ein europäisches Tierschutzlabel ein, mit dem Lebensmittel europaweit gekennzeichnet werden sollen, um den Verbraucher zu informieren. (SAZ, dpa; Foto: Wikipedia)